Geschlosseneres Handeln

Leipziger OB kritisiert Verkauf der VNG-Anteile durch Halle

Nach dem monatelangen Streit um den Verkauf von kommunalen Anteilen an dem Leipziger Gasversorger Verbundnetz Gas AG (VNG) soll dies künftig nicht mehr möglich sein. Möglicherweise sollen die Anteile an dem Gasunternehmen künftig nur noch innerhalb der Beteiligungsgruppe verkauft werden können.

Hochspannungsmasten© Günter Menzl / Fotolia.com

Leipzig (ddp-lsc/sm) - Es habe bereits erste Gespräche gegeben, sagte Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) am Dienstag. Eine Lösung könnte so aussehen, dass die kommunale Beteiligungsgesellschaft VuB künftig selbst die Anteile besitzt, statt sie wie bisher nur zu verwalten. Ein Verkauf dürfe dann nur innerhalb der kommunalen Gruppe möglich sein und nicht mehr an einen externen Interessenten.

Der Aufsichtsrat der Stadtwerke Halle hatte am Montagabend dem Verkauf der VNG-Anteile in Höhe von 3,66 Prozent an die VuB zugestimmt. Für das Paket hatten zwei Angebote vorgelegen. Die VuB hatte ihre Offerte jüngst um 5,8 Millionen auf 90,8 Millionen Euro erhöht. Der Oldenburger Energiekonzern EWE hatte sich ebenfalls lange um mehr Einfluss bei der VNG bemüht und um das Aktienpaket mitgeboten. EWE verfügt bereits über 47,9 Prozent der VNG-Aktien und wäre mit dem Erwerb der Beteiligung der Stadt Halle über die 50-Prozent-Marke gekommen. Diese Pläne waren von ostdeutschen Kommunen und Landespolitikern scharf kritisiert worden.

VNG-Aktien sind sichere Einnahmequelle

Jung sagte, es freue ihn, dass mit der Entscheidung Halles die Anteile in der Hand der ostdeutschen Kommunen blieben. Allerdings werde allein die Stadt Leipzig durch den Verkauf mit rund 36 Millionen Euro belastet, Dresden mit rund 30 Millionen Euro. Leipzig werde den Kauf durch einen Kredit finanzieren müssen. Zudem könne er die Stadt Halle nicht verstehen, dass sie mit dem Verkauf so kurzfristig handele. Leipzig verdiene an seinem bisherigen VNG-Aktienpaket pro Jahr rund fünf Millionen Euro, die Stadt Halle verzichte mit dem Verkauf auf sichere Einnahmen.

Gespräche mit Jena laufen weiter

VuB-Geschäftsführer Andreas Reinhardt kündigte an, dass auch die Gespräche mit der verkaufwilligen Stadt Jena wieder aufgenommen würden. Die VuB werde auch deren Anteile übernehmen, sagte Reinhardt. Grundsätzlich habe man sich schon geeinigt. Auch die Stadt Jena hatte ihre VNG-Anteile verkaufen wollen, war damit aber im November vor Gericht gescheitert.

Der wirtschaftspolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion in Sachsen-Anhalt, Detlef Gürth, hatte die Entscheidung der Stadt Halle begrüßt. "Damit kehrt die Stadt Halle in den Kreis der kommunalen Familie zurück", sagte Gürth. Halle habe die Zukunftsfähigkeit eines wichtigen ostdeutschen Unternehmens mit abgesichert. Die VNG mit Sitz in Leipzig ist der drittgrößte deutsche Gasimporteur und setzt pro Jahr rund fünf Milliarden Euro um.

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