Meldepflichtiger Vorfall

Leicht verstrahlter Behälter in Gundremmingen entdeckt

Ein leicht radioaktiv belasteter Atombehälter ist bei der Eingangskontrolle des größten deutschen Atomkraftwerks Gundremmingen aufgefallen - und ruft Atomkraftgegner auf den Plan. Sie vermuten eine "dubiose Atommüllverschiebung". Ein AKW-Sprecher hingegen sagte, es sei "alles halb so wild".

Energieversorung© Gina Sanders / Fotolia.com

Gundremmingen (ddp/red) - In einer am Donnerstag verbreiteten Erklärung der schwäbischen Atomkraftgegner "Forum gemeinsam gegen das Zwischenlager und für eine verantwortbare Energiepolitik" heißt es: "RWE als Betreiber des AKW Gundremmingen hat diesen Vorfall kurz vor Pfingsten auf seiner Homepage mehr versteckt als veröffentlicht. Eine Medienmitteilung wurde nicht gemacht."

Der Gundremminger Kraftwerkssprecher Jan Kiver konterte, dass der meldepflichtige Vorfall unter der gleichnamigen Rubrik auf der Homepage veröffentlicht wurde. "Alles halb so wild, das war nur eine punktuelle Verunreinigung", beteuert der Kraftwerkssprecher.

Der Atombehälter vom Typ BG 18 war von einer belgischen Firma angeliefert worden. In ihm sollten fünf teilweise abgebrannte Brennstäbe, also de facto Atommüll, zu einer Forschungseinrichtung nach Schweden transportiert werden. "Dort wird Materialforschung an unterschiedlich stark abgebrannten Brennstäben betrieben", erläuterte der Sprecher. Wie es zu der leichten Verstrahlung gekommen ist, wisse man in Gundremmingen nicht.

Der Sprecher der schwäbischen Atomkraftgegner, Raimund Kamm, kritisierte, dass die Öffentlichkeit nicht vernünftig über die Art des schwedischen Forschungsprojekts informiert worden sei. Auch sei unklar, ob die fünf Gundremminger Brennstäbe dort bleiben sollen. Er vermute eine "dubiose Atommüllverschiebung" und fragte, warum die radioaktive Belastung erst nach einem Transport quer durch Deutschland aufgefallen sei.

Der Werkssprecher verwies auf die geringe Belastung, die weit unter einer vergleichbaren Bequerel-Belastung von Kunstdünger liege. Der Atombehälter sei in Gundremmingen gereinigt worden. Dann sei er allerdings nicht zum Transport der Brennstäbe nach Schweden verwendet, sondern zurückgeschickt worden zu der belgischen Absenderfirma.

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