Untersuchungsausschuss gefordert

Laugenpanscherei in der Asse schon vor 20 Jahren

Die Wahrheit über die jahrzehntelangen Missstände im Atommülllager Asse kommt weiterhin nur scheibchenweise ans Licht. Wie das BfS am Dienstag berichtete, wurden in dem Bergwerk schon viel früher radioaktiv belastete Laugen umgelagert, als bisher bekannt war. Die Grünen im niedersächsischen Landtag erneuerten ihre Forderung nach einem Untersuchungsausschuss.

Stromnetz Ausbau© Thomas Aumann / Fotolia.com

Wolfenbüttel/Hannover (ddp/sm) - Kontaminierte Lösungen seien bereits 1988 aus dem sogenannten Laugensumpf vor der Einlagerungskammer 12 in 750 Meter Tiefe abgepumpt und in andere Bereiche des Bergwerks geschafft worden, erklärte das BfS, das seit Jahresbeginn Asse-Betreiber ist. Bisher war die Praxis lediglich aus der Zeit seit dem Jahr 2005 bekannt.

Das BfS berief sich auf den Bericht eines Bergmannes vom vergangenen Dezember, den die Behörde im Januar ausgewertet hatte. Demnach wurde die verstrahlte Flüssigkeit in Stahlblechbehältern mit einem Gabelstapler in die Kammer 11 auf der 700-Meter-Sohle gebracht. Dort seien die Lösungen aus den Behältern auf Gesteinsbrocken in dem teilweise verfüllten Hohlraum abgelassen worden. "Um welche Mengen es sich dabei gehandelt hat und wo die radioaktiv kontaminierten Laugen verblieben sind, ist nicht bekannt", erklärte das Bundesamt.

Die schon 1988 abgepumpten Lösungen waren dem BfS zufolge mit radioaktivem Cäsium, Kobalt 60, Strontium 90 und Tritium belastet. Nach Untersuchungen des Niedersächsischen Umweltministeriums stammen diese Substanzen sehr wahrscheinlich aus den schwachradioaktiven Abfällen, die in Kammer 12 eingelagert sind.

Herkunft weiterer Laugen unbekannt

Das BfS berichtete zudem von "Lösungen unbekannter Herkunft" aus der 750-Meter-Sohle, die zwischen 1984 und 1986 bei der Verfüllung einer Abbaukammer auf der 658-Meter-Sohle zur Staubbindung eingesetzt worden seien. Ob diese Lösungen ebenfalls kontaminiert waren, konnte die Behörde zunächst nicht sagen. Der Sachverhalt und mögliche Genehmigungsgrundlagen würden derzeit geprüft.

Der frühere Asse-Betreiber Helmholtz-Zentrum München hatte ab 2005 ohne eine erforderliche Umgangsgenehmigung kontaminierte Salzlösungen in tiefere Teile des Bergwerks gekippt. Die radioaktive Belastung dieser Flüssigkeiten lag weit über den Grenzwerten. Das Vorgehen wurde im Juni 2008 gestoppt.

Grüne fordern Aufklärung

Der Fraktionschef der niedersächsischen Grünen, Stefan Wenzel, erklärte: "Unsere schlimmsten Befürchtungen werden immer mehr zur Gewissheit". Unter den Augen der Behörden sei offenbar jahrzehntelang gegen Gesetze verstoßen worden. Das ganze Ausmaß der "Rechtsbrüche und Vertuschungsmanöver" müsse nun mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln aufgeklärt werden. Grüne und Linke hatten bereits im vergangenen Jahr einen Asse-Untersuchungsausschuss des Landtags verlangt, sie konnten sich mit der Forderung jedoch nicht durchsetzen.

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