"Leute haben Angst"

Lauge aus der Asse sorgt für Unruhe im Kreis Celle (Upd.)

Die Versenkung von Lauge aus dem Atommülllager Asse II bei Wolfenbüttel in dem früheren Salzbergwerk Maria Glück erhitzt die Gemüter im Kreis Celle. "Uns war dieser Vorgang bisher gänzlich unbekannt", sagte Landrat Klaus Wiswe. Das Land Niedersachsen habe den Kreis nicht informiert. Er erwarte, dass man nun schnell und umfassend informiert werde.

Hochspannungsmasten© Günter Menzl / Fotolia.com

Celle/Wolfenbüttel (ddp-nrd/sm) - "Wir müssen absolut sicher sein, dass von den in das Bergwerk eingebrachten Stoffen keine Gefahren ausgehen", sagte Wiswe. "Die Leute haben Angst, sie wollen Informationen haben", sagte der Bürgermeister der Samtgemeinde Eschede, Günter Berg, auf ddp-Anfrage.

Zur Samtgemeinde gehört die Ortschaft Höfer, auf deren Gebiet die Grube Maria Glück liegt. Gemeindevertreter aus dem Kreis Celle baten wegen der Unruhe in der Region am Mittwoch um ein Gespräch mit Vertretern des Umweltministeriums.

Kürzlich war bekanntgeworden, dass Lauge aus der Asse in das Bergwerk Maria Glück transportiert worden war. Nach Angaben des Asse-Betreibers Helmholtz-Zentrum München und des niedersächsischen Umweltministeriums lag die radioaktive Belastung jedoch unterhalb der zulässigen Grenzwerte. Eine Gefährdung für Menschen sei ausgeschlossen.

Nach Angaben des niedersächsischen Umweltministeriums wurde Lauge aus der Asse von 2005 bis Mitte des Jahres 2006 in das Bergwerk Hope im Kreis Soltau-Fallingbostel gebracht. Erst danach begannen die Transporte in die Grube Maria Glück. Das stillgelegte Salzbergwerk war in den 1970er Jahren als Endlager für hochradioaktiven Atommüll im Gespräch.

Der Celler Kreisrat Gerald Höhl betonte am Mittwoch, der Landkreis sei für die Genehmigung der Transporte nicht zuständig gewesen: "Wir wussten von der ganzen Sache nichts". Für die Erlaubnis solcher Einleitungen sei das niedersächsische Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie zuständig.

Inzwischen wurde bekannt, dass die Betreiber des Atommülllagers Asse eine Aufhebung des Transportstopps für die umstrittene Lauge nach Maria Glück beantragen wollen. Der Transportstopp sein ein "echtes Problem", hieß es. Die mit Atommüll gefüllten Fässer stünden sonst bald unter Wasser. Das Umweltministerium in Niedersachsen wies Vorwürfe zurück, man habe die Informationspflicht vernachlässigt. Es sei nicht ungewöhnlich, dass derartige Lauge in einem Bergwerk entsorgt wird, so eine Sprecherin des Minsteriums.

Medienberichten zufolge sollen die Betreiber des Endlagers nun vor einem weiteren Problem stehen. Die bisherige Leitung des Helmholtz Zentrums habe erst vor kurzem erfahren, dass entgegen bisheriger Annahmen auch solche Fässer eingelagert worden seien, deren Inhalt teilweise flüssig ist. Seit 1975 dürfen per Gesetz keine Flüssigkeiten eingelagert werden. Bedenken in punkto Langzeitsicherheit müsse allerdings niemand haben, hieß es von Betreiberseite.

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