Altreaktor

Länderübergreifender Widerstand gegen Isar 1 (Upd.)

Gegen das AKW Isar 1 regt sich länderübergreifender Widerstand. Die oberösterreichische Landesregierung sorgt sich um die Sicherheit des rund 100 Kilometer entfernten Meilers bei Landshut. Auch die örtliche CSU fordert, die Laufzeiten des vor 31 Jahren in Betrieb gegangenen AKW nicht zu verlängern.

Stromnetz Ausbau© Thomas Aumann / Fotolia.com

Linz/Essenbach (ddp/red) - Das bayerische Umweltministerium wies die Kritik zurück. "Es kommt nicht darauf an, wie alt ein Kraftwerk ist, sondern wie sicher", sagte eine Ministeriumssprecherin am Mittwoch in München auf ddp-Anfrage. "Isar 1 erfüllt alle gesetzlichen Sicherheitsanforderungen", fügte die Sprecherin hinzu.

Der oberösterreichische Landesrat Rudi Anschober sagte am selben Tag in Linz, das AKW Isar 1 zähle zu den ältesten und veralteten Atomreaktoren in Deutschland. Eine Verlängerung der derzeit in Deutschland diskutierten Laufzeiten wäre gerade im Fall eines Altreaktors "besonders verantwortungslos". Bis Ende September will die Bundesregierung über die Zukunft der Atomenergie in Deutschland entscheiden.

Anschober kündigte an, Oberösterreich werde den Widerstand gegen eine Laufzeitverlängerung von Isar 1 "massiv unterstützen". Eine "starke Allianz mit der bayerischen Anti-Atombewegung" sei in Vorbereitung. Auch die anderen österreichischen Bundesländer unterstützten Oberösterreichs Offensive für eine rasche Stilllegung von Isar 1. "Radioaktivität kennt keine Landesgrenzen, deshalb darf auch der Widerstand keine Landesgrenzen kennen", sagte Anschober der Nachrichtenagentur ddp.

Derweil teilte der Kraftwerksbetreiber E.ON mit, Block 2 des AKW sei seit Dienstagabend wieder mit dem Stromnetz verbunden. Die Anlage war am 26. Juni zum Brennelementwechsel und zur Jahresrevision abgeschaltet worden. Die Überprüfung der technischen Systeme habe den "sehr guten Zustand der Anlage" bestätigt.

Eine Einschätzung, die die Landshuter CSU nicht teilen will. "Die Technik hat sich verändert, und wir brauchen Isar 1 auch für die Stromproduktion nicht", sagte die CSU-Fraktionsvorsitzende im Landshuter Stadtrat, Gabriele Goderbauer-Marchner, der Nachrichtenagentur ddp. Zudem sei das Atomkraftwerk nur mangelhaft gegen Flugzeugabstürze oder terroristische Angriffe geschützt.

In einem Dringlichkeitsantrag appelliert die Landshuter CSU an Bundeskanzlerin Angela Merkel, Bundesumweltminister Norbert Röttgen (beide CDU), die Fraktionen im Bundestag und Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU), die Laufzeit des Atommeilers nicht zu verlängern. Die Resolution soll bei der Plenarsitzung des Landshuter Stadtrats am 30. Juli verabschiedet werden.

Dass sich die Landshuter damit gegen die Parteilinie stellen, wies Goderbauer-Marchner zurück. "Wir stellen uns nicht gegen und nicht für jemanden. Wir haben Verantwortung für Landshut", betonte sie. Der Antrag im Stadtrat sei "in einer Linie" zu sehen mit der Resolution des Schweinfurter Stadtrats von Ende Juni. Das Gremium hatte sich mit den Stimmen der CSU gegen eine Laufzeitverlängerung des dortigen Akw Grafenrheinfeld ausgesprochen.

Die Grünen begrüßten den Vorstoß der Landshuter CSU. "Es ist höchste Zeit, dass auch die CSU in München und Berlin zur Kenntnis nimmt, dass die Menschen vor Ort die Nase voll haben von der Atomenergie und ihren unkalkulierbaren Risiken", sagte der energiepolitische Sprecher der Landtagsfraktion, Ludwig Hartmann. Der Antrag aus Landshut sei ein "überfälliges Signal" der Parteibasis, diesen "verhängnisvollen Kurs" zu stoppen. Das CSU-geführte Umweltministerium wollte den Antrag aus Landshut auf ddp-Anfrage nicht kommentieren.

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