Branchentreff

Kuhnt auf Handelsblatt-Jahrestagung: Fokussierung aufs Kerngeschäft

Nahezu 1000 Teilnehmer diskutieren derzeit in Berlin auf der Handelsblatt-Jahrestagung "Energiewirtschaft" über verschiedene Bereiche der Branche. Gestern sprach u.a. RWE-Vorstand Dr. Dietmar Kuhnt über die deutsche Energiewirtschaft im Kontext wachsender Internationalisierung. Wintershall-Chef Zwitserloot äußerte sich zum "Legal Unbundling".

Hochspannungsmasten© Günter Menzl / Fotolia.com

Derzeit findet in Berlin die zehnte Handelsblatt-Jahrestagung "Energiewirtschaft" statt. Gestern sprach u.a. RWE-Vorstand Dr. Dietmar Kuhnt, vor etwa 1000 Teilnehmern über die deutsche Energiewirtschaft im Kontext wachsender Internationalisierung. Kuhnt wies auf zunehmende Fusionen, Partnerschaften und Kooperationen seit der Novelle des Energiewirtschaftsrechts vom April 1998 hin. Über 30 größere Fusionen mit mehr als 80 beteiligten Unternehmen hätten seit 1999 in Deutschland stattgefunden und mehr als 300 der rund 970 kommunalen Energieversorger hätten mittlerweile private Partner.

Der harte Verdrängungswettbewerb durch die Strom-Binnenmarkt-Richtlinie und die Gasrichtlinie bewirke bei vielen Unternehmen eine Fokussierung aufs Kerngeschäft, stellte Kuhnt fest. Auch bei RWE werde gespart: Bis 2004 sind Kosteneinsparungen von 2,6 Milliarden Euro geplant, erreicht wurden bis heute 1, 8 Milliarden Euro. Insgesamt werde in der Strom- und Gaswirtschaft über zehn Milliarden Euro eingespart. Vor allem Großkunden hätten Anbieter gewechselt oder neue Verträge ausgehandelt, im Strombereich sogar fast zu 100 Prozent. Bei den Gewerbe- und Haushaltskunden liegt laut Kuhnt die Wechselrate zwischen 10 und 20 Prozent.

Reinier Zwitserloot, Vorstandsvorsitzender der Wintershall AG, äußerte sich zum Thema "Legal Unbundling" kritisch: Das auf EU-Ebene diskutierte Legal Unbundling bringe keine positiven Impulse für den Wettbewerb in Deutschland. Im Gegenteil: durch eine firmenrechtliche Trennung von Netzbetrieb und Gasverkauf werde die Nutzung von Effizienzen im Leistungsangebot verhindert und zusätzliche Kosten entstünden. Zudem greife das Legal Unbundling unverhältnismäßig in die Eigentumsrechte privater Unternehmen ein. "Warum sollten wir als Handelsunternehmer nicht auch eigene Leitungen und Speicher besitzen und sie im Interesse des Kunden einsetzen dürfen - sollte man Möbelhäusern auch verbieten, die Möbel, die der Kunde gekauft hat, auch zu liefern?", so Zwitserloot.

Außerdem mache ihm die Absicherung von Lieferbeziehungen Sorge: "Die Vorlieferanten kaufen ihre Kunden - und sind bereit, dafür strategische Aufpreise zu zahlen", sagte Zwitserloot. "Es entsteht der Eindruck, dass bei diesen Akquisitionen nationaler Stolz bei der Eroberung neuer Märkte als Ersatz für Wirtschaftlichkeit eingesetzt wird", sagte der Vorstandsvorsitzende. "Der Kaufpreis mit beträchtlichem strategischen Bonus wird dabei aus noch sehr großen und tiefen staatlichen Taschen finanziert." Zwitserloot forderte neue Spielregeln wie zum Beispiel eine Ausschreibungspflicht oder die Pflicht zum Bezug von mehr als einem Unternehmen.

Das könnte Sie auch interessieren
  • Stromtarife

    Verivox kündigt Vertriebspartnerschaft mit Flexstrom

    Das unabhängige Verbraucherportal Verivox hat die Vertriebspartnerschaft mit Flexstrom aufgekündigt. Die direkte Wechselmöglichkeit über das Portal ist damit nicht mehr gegeben. Laut Verivox sind unterschiedliche Auffassungen zum Verbraucherschutz der Hintergrund; es habe zahlreiche Kundenbeschwerden gegeben.

  • Strom sparen

    Massive Wettbewerbshemmnisse durch Atomkonzept befürchtet

    Die längeren Laufzeiten für die deutschen Atommeiler sorgen weiter für Wirbel. Vertreter aus dem Bereich der erneuerbaren Energien erklärten, durch den Kompromiss seien 100.000 Jobs in diesem Segment gefährdet. Der Präsident des Bundeskartellamts, Andreas Mundt, beklagte eine verpasste Chance zur Stärkung des Wettbewerbs.

  • Strom sparen

    Kartellamt verschärft Beteiligungsprüfungen im Energiemarkt

    Um eine marktbeherrschende Stellung von einigen wenigen Energieunternehmen zu verhindern, will das Bundeskartellamt künftig die Beteiligungen von Energiekonzernen an Stadtwerken stärker prüfen. Den vertikalen Beteiligungen würden enge Grenzen gesetzt und sicherlich nicht ohne Ausgleichsmaßnahmen genehmigt, sage Kartellamtschef Böge gestern in Berlin.

  • Hochspannungsleitung

    Handelsblatt-Jahrestagung: Clement bezieht Stellung zur Energiepolitik

    Auf der Handelsblatt-Jahrestagung Energiewirtschaft hat Wirtschaftsminister Wolfgang Clement gestern erstmals in seiner Amtszeit ein umfangreiches Statement zur Energiepolitik abgegeben. Dabei sprach er sich gegen eine Regulierungsbehörde aus, erwartet aber im Gassektor eine rasche Einigung. Auch zu den Emissionsrechten und der Steinkohlesubventionierung äußerte er sich.

  • Hochspannungsleitung

    10. Handelsblatt-Jahrestagung Energiewirtschaft 2003: Wende in der Energiewirtschaft?

    Vom 14. bis 16. Januar trifft sich die Energiebranche zum zehnten Mal in Berlin zur Handelsblatt-Jahrestagung. Neben Wirtschaftsminister Wolfgang Clement werden auch die Vorstände der Energieriesen RWE und E.ON über ihre Erfahrungen referieren. Ein zusätzliches Thema sind die Rahmenbedingungen eines Gas-Wettbewerbsmarktes.

Top