Macht der Medien

Kritische TV-Berichte fachen Gasstreit erneut an

Der seit Wochen schwelende Streit zwischen Moskau und Minsk um angeblich nicht bezahlte Gasrechnungen ist durch kritische Beiträge russischer Fernsehsender über den weißrussischen Präsidenten Alexander Lukaschenko erneut angefacht worden. Von "lästerlichen Anschuldigungen" ist die Rede.

Strom sparen© Gina Sanders / Fotolia.com

Moskau (afp/red) - Bezogen auf einen Dokumentarfilm des regierungsnahen russischen Senders NTV kritisierte am Montag ein Sprecher der weißrussischen Botschaft in Moskau im Radiosender "Moskauer Echo": "Lästerliche Anschuldigungen gegen den Staatschef aufzustellen, ist nicht akzeptabel und kriminell."

Der zur Mediengesellschaft des staatlichen russischen Energiekonzerns Gazprom gehörende Sender NTV hatte am Sonntagabend eine halbstündige Dokumentation ausgestrahlt, in der Lukaschenko mit dem Verschwinden oppositioneller Kontrahenten in Verbindung gebracht wird. Der staatliche englischsprachige Sender Russia Today hatte am Sonntag zudem einen kritischen Beitrag über Lukaschenko gesendet mit dem Titel "Lukaschenko wird vorgeworfen, Pflichten gegenüber dem Westen sowie dem Osten nicht erfüllt zu haben".

Die kritischen Berichte sind ein weiteres Kapitel in den seit Monaten angespannten Beziehungen zwischen Moskau und Minsk. Die beiden Nachbarländer hatten in den vergangenen Wochen bereits heftig miteinander wegen Gaslieferungen aus Russland sowie dessen Transit über Weißrussland nach Westeuropa gestritten. Beide Seiten warfen sich gegenseitig vor, offene Rechnungen nicht beglichen zu haben.

Aus der Delegation des weißrussischen Präsidenten hieß es am Montag während einer Auslandsreise nach Angaben der staatlichen weißrussischen Nachrichtenagentur Belta, die "nur dem Namen nach" unabhängigen russischen Sender hätten "einen Kübel Schmutz" über Lukaschenko ausgegossen. In der Dokumentation des Senders NTV wird eine Verbindung Lukaschenkos mit dem mysteriösen Verschwinden zweier Kontrahenten im Jahr 1999 nahe gelegt. Zudem kritisierte der Beitrag, Lukaschenko habe ein "krankhaftes Bedürfnis, sich an der Macht zu halten". Weitere Teile des Beitrags betrafen das Privatleben des seit 1994 in der ehemaligen Sowjetrepublik mit harter Hand regierenden Staatschefs.

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