Regierungsentwurf

Kritik: EU-Energiepässe gefährden Arbeitsplätze

Heute berät die Regierung über ihren Entwurf zur Einführung des ab 2006 EU-weit vorgeschriebenen Energieausweises für Gebäude. Kritik übten in diesem Zusammenhang der Deutsche Mieterbund und die Deutsche Umwelthilfe. Die Vereinigungen fordern verbraucherfreundliche Standards, die Investitionen auslösen.

Strom sparen© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin (red) - Der ab 2006 EU-weit vorgeschriebene Energieausweis für Gebäude droht in Deutschland weitgehend wirkungslos zu bleiben. Nach Informationen des Deutschen Mieterbundes (DMB) und der Deutschen Umwelthilfe (DUH) würde die im Regierungsentwurf der Energieeinsparverordnung vorgesehene Ausgestaltung des neuen Energiepasses weder den Energieverbrauch für potenzielle Mieter oder Käufer transparent machen, noch die erhoffte Sanierungswelle im Altbaubestand auslösen. Die Energievergeudung ginge weiter und würde Mietern bei weiter steigenden Energiepreisen immer höhere Nebenkosten abverlangen. Fortschritte beim Klimaschutz blieben weit unter den erwarteten Möglichkeiten. DMB und DUH fordern daher eine grundlegende Überarbeitung des Regierungsentwurfs.

Zentrales Manko des bisherigen Papiers laut DMB und DUH: Bei der Ausstellung des Energiepasses soll es für alle Häuser mit acht oder mehr Wohneinheiten dauerhaft ausreichen, lediglich den Energieverbrauch früherer Nutzer der Wohnungen anzugeben. Auf eine Bestandsaufnahme der Bauqualität oder der Heizungsanlage des Gebäudes könnte somit verzichtet werden. DMB und DUH fordern hingegen den Rahmenvorgaben der EU-Gebäuderichtlinie entsprechend einen "Innovationsausweis", der nachvollziehbar und objektiv Auskunft gibt über den Energiebedarf und die Energie-Qualität des Gebäudes, unabhängig vom individuellen Verhalten früherer Nutzer.

"Der bedarfsorientierte Energieausweis wäre ein Innovationsmotor für Deutschland. Er würde Milliarden-Investitionen in Gebäudesanierung und Klimaschutz auslösen, zehntausende neuer Arbeitsplätze schaffen und nicht zuletzt die nationale Energierechnung senken. Die energetische Sanierung steigert den Wert der Immobilien und hilft Millionen Mietern, Energiekosten zu sparen. Der reine Verbrauchspass, den die Wohnungswirtschaft gebetsmühlenartig fordert, wäre dagegen kaum das Papier wert, auf dem er geschrieben werden soll. Wo wäre da der Modernisierungsanreiz?", fragt Stefan Bundscherer, DUH-Bevollmächtigter für Klimaschutz.

Der Deutsche Mieterbund hat fünf zentrale Kriterien für einen verbraucherfreundlichen Pass erarbeitet: Der Energiepass für Gebäude müsse bundesweit gelten, bundesweit einheitlich sein und ein einfaches und verständliches Bewertungsschema enthalten. Dabei müsse sich die Bewertung der Immobilie am energetisch optimalen Baustandard (Passivhaus) und an Gütesiegeln orientieren.

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