Zu viele Ausnahmen

Kritik an EU-Klimabeschlüssen und Emissionshandel

Die Beschlüsse des EU-Klimagipfels und der UN-Klimakonferenz in Poznan sind zum Teil auf heftige Kritik gestoßen. Das globalisierungskritische Netzwerk Attac warf der EU Versagen bei der Bekämpfung der Klimakrise vor. Der BUND nannte die Konferenz in Poznan eine "verpasste Chance" im Kampf gegen die Erderwärmung.

Strompreise© Andre Bonn / Fotolia.com

Brüssel/Poznan (ddp/sm) - Die Industriestaaten hätten ihre Verantwortung für den globalen Klimaschutz nicht wahrgenommen und es versäumt, den Entwicklungsländern ausreichende Unterstützung bei der Bewältigung der Folgen des Klimawandels zuzusichern, kritisierte der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger. Die Konferenz in Poznan war ohnehin nur als Zwischenstation auf dem Weg zum Klimatreffen von Kopenhagen in einem Jahr angelegt. Dort soll ein Nachfolgeabkommen für das Kyoto-Klimaprotokoll vereinbart werden.

Chris Methmann vom bundesweiten Attac-Koordinierungskreis erklärte, Klimawandel und Finanzkrise hätten im Kern dieselbe Ursache: eine forcierte Liberalisierung der Märkte, die eine demokratische Kontrolle der Wirtschaft verhindere - "auf Kosten der Menschen und der Umwelt hier und weltweit". Wer Klimaschutz und ökonomische Stabilität gegeneinander ausspiele, werde weder die Wirtschafts- noch die Klimakrise lösen.

Als "zurechtgestutzten" und "windelweichen" Beschluss wertete Greenpeace das EU-Klimapaket. Europa habe sich auf den kleinsten Nenner geeinigt und sei "engstirnigen Industrieinteressen einzelner Mitgliedsstaaten" gefolgt, sagte Klimaexperte Karsten Smid. Er rügte, Kanzlerin Merkel sei zum "verlängerten Arm der Energieindustrie" geworden.

Gelobt wurde der Brüsseler Beschluss von der deutschen Industrie. Das Klimapaket der EU sei eine gute Grundlage für ein nationales Wachstumspaket, sagte der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Industrie, Werner Schnappauf.

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