Oligopol

Kritik an der "Macht der großen Vier" verstärkt sich

Vom "Oligopol" ist Rede und davon, dass EnBW, Vattenfall, RWE und E.ON den Wettbewerb unter- und gegeneinander weitgehend eingestellt haben. Das Verhalten der vier größten deutschen Stromversorger gerät immer weiter in die Kritik, die heute u.a. von Kartellamtschef Ulf Böge formuliert wurde.

Energieversorung© Gina Sanders / Fotolia.com

München/Düsseldorf (ddp/sm) - In der Diskussion um die von den deutschen Stromunternehmen geplanten Preiserhöhungen geraten die vier großen Erzeuger E.ON, RWE, EnBW und Vattenfall immer stärker in die Kritik. "Sie haben den Wettbewerb gegeneinander weitgehend eingestellt", kritisierte der Präsident des Bundeskartellamtes, Ulf Böge, in der Zeitschrift "Capital". Auch Hessens Wirtschaftsminister Alois Rhiel (CDU), der mit der Ankündigung für Furore gesorgt hatte, in seinem Land keine Strompreiserhöhungen zu genehmigen, kritisierte das "Oligopol".

Nach Ansicht von Kartellamtschef Böge muss mit weiteren Preissteigerungen gerechnet werden. "Beunruhigend ist, dass die in Deutschland produzierte Strommenge seit Jahren sinkt und so - bei unveränderter Nachfrage - den Preis treibt", sagte er der Zeitschrift "Capital" laut einem Vorabbericht vom Mittwoch. 80 Prozent der Produktion liege in den Händen der vier großen Unternehmen E.ON, RWE, EnBW und Vattenfall.

Deren Gebaren verhindere den Eintritt neuer Wettbewerber bei der Stromerzeugung. "Eine ganze Reihe potenzieller Investoren würde in Deutschland gern neue Kraftwerke bauen, mit Gas als Energieträger", sagte er. Doch die Investoren schrecke die hohe Konzentration im Strom- und Gasmarkt ab. Dies sei auch eine Folge der Fusion von E.ON und Ruhrgas per Ministererlaubnis. Das Bundeskartellamt hatte sich damals dagegen ausgesprochen. Den Vorstoß Hessens begrüßte Böge: "Die Entscheidung im Land Hessen hat sicher eine preisdämpfende Wirkung."

Auch Hessens Wirtschaftsminister Rhiel machte die vier großen Energiekonzerne für die hohen Strompreise verantwortlich. "Das Problem ist, dass die vier großen Unternehmen das deutsche Stromangebot fast alleine in der Hand haben", sagte er in der "Financial Times Deutschland" (Mittwochausgabe). Dieses Oligopol behindere den Wettbewerb. Zudem beklagte er den mangelnden Wettbewerb am Strommarkt. "Die Wahlmöglichkeiten für die Kunden sind bis jetzt völlig unzureichend", betonte Rhiel. Auch an der Leipziger Strombörse müsse das Angebot breiter werden. Da, wo der Wettbewerb nicht oder noch nicht funktioniere, "muss der Staat die Verbraucher vor überzogenen Preisforderungen von Oligopolisten schützen".

Einem Bericht das Nachrichtenmagazins "Focus" zufolge, wollen zum 1. Januar 702 der 904 deutschen Stromversorger ihre Tarife erhöhen. Die Zeitschrift beruft sich dabei auf eine Umfrage bei sämtlichen Genehmigungsbehörden in den 16 Bundesländern. Wie das Magazin weiter schreibt, wird das nordrhein-westfälische Wirtschaftsministerium erst nach Weihnachten über die vom Essener Konzern RWE beantragten Strompreiserhöhungen entscheiden.

Von Ralf Beunink

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