Keine Salz-Einlagerung

Kreistag will Aufgabe von Gorleben als Endlager-Standort

Wenige Wochen vor der Ankunft eines weiteren Castor-Transports hat der Kreistag Lüchow-Dannenberg den Verzicht auf ein Atommüllendlager in Gorleben gefordert. Der Salzstock müsse als möglicher Standort aufgegeben werden, heißt es in einer am Montag veröffentlichten Erklärung des Kreisparlamentes.

Stromnetz Ausbau© Thomas Aumann / Fotolia.com

Gorleben (ddp-nrd/sm) - Nach den Erfahrungen im Atommülllager Asse sähen die Kommunalpolitiker die Einlagerung radioaktiver Abfälle in Salz "als gescheitert an". Initiativen aus dem Wendland kündigten für diese Woche den Beginn von Protestaktionen gegen den Castortransport an.

Ein geeignetes Auswahlverfahren für ein Endlager habe nicht stattgefunden, bemängeln die Kreispolitiker in ihrer Resolution. Wesentliche Sicherheitskriterien wie mehrere Schutzbarrieren und ein intaktes Deckgebirge seien im Salzstock Gorleben nicht gegeben: "Der Standort ist deshalb als mögliches Endlager nicht mehr in Betracht zu ziehen."

Bundesweite Endlager-Suche gefordert

Der Kreistag Lüchow-Dannenberg fordere ein neues Auswahlverfahren für ein nationales Endlager. Dabei müssten auch "andere Wirtsmedien" als Salz geprüft und es dürfe "kein Bundesland ausgenommen werden".

Finanzielle Erwägungen dürften bei der Auswahl eines Endlagerstandortes nicht den Ausschlag geben, es müsse ausschließlich um die größtmögliche Sicherheit für die Umwelt und die Bevölkerung gehen. Im Kreistag Lüchow-Dannenberg hatten sich die Fraktionen von SPD, Grünen, FDP sowie von zwei Wählergemeinschaften nach der jüngsten Kommunalwahl zur atomkritischen "Gruppe X" zusammengeschlossen. Dieses Bündnis verfügt über die Mehrheit der Sitze.

Wöchentliche Proteste geplant

Eine aus Senioren bestehende Bürgerinitiative will bereits am kommenden Sonntag eine Protestkundgebung am Dannenberger Verladebahnhof veranstalten. "Weil wir schon ein bisschen älter sind, bringen wir uns einen Stuhl mit und tun zusammen das, was wir sowieso gerne tun - wir reden, stricken, spielen Karten, trinken Tee, tauschen Koch- und Widerstandsrezepte aus", erklärte die Gruppe Graue Zellen. Die sogenannte Stuhlprobe werde es künftig einmal wöchentlich und nach Abfahrt des Castortransportes täglich geben. Im Verladebahnhof sollen die Castorbehälter von Eisenbahnwaggons auf große Lastwagen gehievt werden.

Mit der Ankunft des aus elf Behältern bestehenden Transportes im Wendland rechnen Bürgerinitiativen in der zweiten Novemberwoche. Für den 8. November haben sie zu einer bundesweiten Demonstration in Gorleben aufgerufen. Die zuständige Polizeidirektion Lüneburg bot Medienvertretern am Montag eine spezielle Akkreditierung für den Castortransport an.

Das könnte Sie auch interessieren
  • Atomenergie

    Altmaier plädiert für küstennahes Atom-Zwischenlager

    Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) hat angekündigt, bis zur parlamentarischen Verabschiedung des Endlagersuchgesetzes vor der Sommerpause auch die umstrittene Zwischenlager-Frage zu klären. Um die Transportwege so kurz wie möglich zu halten, strebt der Minister einen Standort nahe der Küste an.

  • Atommüll

    Atommüll-Endlagersuche: Alles auf Anfang

    Ein halbes Jahrhundert nach Inbetriebnahme des ersten Kernkraftwerks gibt es jetzt einen parteiübergreifenden Minimalkonsens für die Suche nach einem Endlager für hoch radioaktiven Atommüll. Bund und Länder einigten sich am Dienstag in Berlin tatsächlich auf ein Standortsuchgesetz.

  • Hochspannungsmasten

    SPD in Niedersachsen für bundesweite Endlagersuche

    Niedersachsen sollte sich nach Ansicht der SPD dafür einsetzen, dass bundesweit und ergebnisoffen nach einem Endlager für radioaktive Abfälle gesucht wird. Ein entsprechendes Konzept des Bundesumweltministers liege seit zwei Jahren vor, sagte am Donnerstag die SPD-Landtagsabgeordnete Petra Emmerich-Koptasch.

  • Hochspannungsmasten

    Gabriel-Besuch in Morsleben: Demonstrationen angekündigt

    Gegner von deutschen Atomendlagerstandorten wollen am kommenden Freitag in Morsleben gegen die Einlagerung von Atommüll in Salz demonstrieren. Anlass für die Protestaktion sei ein Besuch von Bundesumweltminister Gabriel am selben Tag in Morsleben, teilten die Bürgerinitiativen (BI) mit.

  • Energieversorung

    Straßenblockaden gegen Castor-Transport angekündigt (Upd.)

    Atomkraftgegner rüsten sich für den nächsten Transport in das Atommüll-Zwischenlager im niedersächsischen Gorleben. Mit Straßenblockaden wollen sie den Anfang November erwarteten Transport stoppen. Zudem soll es bereits ab Anfang Oktober Lesungen, Konzerte und Theateraufführungen an der Transportstrecke geben.

Top