Streit um Energiepolitik

Kraftwerksbetreiber bezweifeln Erreichen der Klimaziele

Die Verringerung des Kohlendioxidausstoßes bis 2020 werde durch das Abschalten der Kernkraftwerke "zu großen Teilen" wieder aufgezehrt, warnte der Verband der Strom- und Wärmeerzeuger VGB Powertech heute auf einer Tagugn in Düsseldorf. Die Bundesregierung müsse sich daher entscheiden.

Strom sparen© Gina Sanders / Fotolia.com

Düsseldorf (ddp-nrw/sm) - Die Kraftwerksbetreiber in Deutschland bezweifeln das Erreichen des Klimazieles der Bundesregierung bei gleichzeitigem Ausstieg aus der Kernenergie. Die Verringerung des Kohlendioxidausstoßes bis 2020 werde durch das Abschalten der Kernkraftwerke "zu großen Teilen" wieder aufgezehrt, warnte der Verband der Strom- und Wärmeerzeuger VGB Powertech heute in Düsseldorf. Die Bundesregierung müsse sich daher entscheiden, entweder die Kernkraftwerke länger zu nutzen als geplant oder Abstriche am Klimaziel zu machen.

Der Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, Georg Wilhelm Adamowitsch, wies die Darstellung zurück und bekräftigte, dass die Bundesregierung an beiden politischen Zielen festhalten werde. Er sehe keine Alternative zum vereinbarten Ausstieg aus der Atomenergie. Und auch beim Ziel der Kohlendioxid-Verringerung werde es keine Abstriche geben. Er forderte die Kraftwerksbetreiber auf, die notwendigen Investitionen in die Erneuerung des Kraftwerkparks zu tätigen. Die Politik habe dafür die notwendigen Rahmenbedingungen gestellt.

Trotz einer Steigerung bei den erneuerbaren Energien und effizienteren Kohle- und Gaskraftwerken sei das Ziel, bis 2020 den Kohlendioxid-Ausstoß um mindestens 40 Prozent gegenüber 1990 zu senken, nicht erreichbar, betonte der Vorsitzende von VGB Powertech, Gerd Jäger. Nach Berechnungen seines Verbandes könne bis 2020 der Ausstoß des Treibhausgases zwar gesenkt werden. Diese Effekte würden aber durch den Wegfall der Kernenergie "zu großen Teilen" wieder aufgezehrt.

Jäger kritisierte, dass es kein "schlüssiges Energiekonzept" in Deutschland gebe. Wenn die Unternehmen nun investierten und das Ziel der Kohlendioxid-Verringerung dann doch nicht erreicht werde, werde ihnen aber "der Boden unter den Füßen" weggezogen. Der Verband trage zwar den vereinbarten Ausstieg aus der Atompolitik mit, könne die Kraftwerke aber auch länger betreiben. Nun sei die Politik gefordert.

Sie könne entweder an der "Stellschraube Klimaschutz" drehen oder auf die Kernenergie zumindest für gewisse Zeit nicht verzichten. In diesem Fall ließen sich die Kohlendioxid-Einsparungen zwischen 2000 und 2020 fast verdreifachen. Sie würden um mehr als 40 Prozent gesenkt. Zugleich müsse weniger in die Erneuerung konventioneller Kraftwerke investiert werden mit der Folge einer Entlastung für die Volkswirtschaft von über zehn Milliarden Euro.

Jäger nannte das Ziel, den Anteil der regenerativen Energien bis 2020 auf 20 Prozent zu steigern, sehr "ehrgeizig". Selbst wenn dies erreicht werde, blieben Kohle und Gas mit einem Anteil von über 70 Prozent die wichtigsten Energieträger. Daher werde eine "neue Ehrlichkeit" in der energiepolitischen Debatte benötigt. Die Mehrheitsmeinung in der Bevölkerung, wonach der "rigorose Ausbau" der 2rneuerbaren Energien die Stromversorgung von morgen sichern könne, sei ebenso "romantisch wie falsch".

Von Wibke Busch

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