Abgelehnt

Kraftwerk Datteln: Erneute juristische Niederlage für E.ON

Im Rechtsstreit um den Bau des Steinkohlekraftwerks Datteln im Kreis Recklinghausen haben die Stadt Datteln und die E.ON Kraftwerke GmbH eine weitere juristische Niederlage hinnehmen müssen. Damit ist das Urteil des Oberverwaltungsgerichts rechtskräftig.

Hochspannungsmasten© Günter Menzl / Fotolia.com

Leipzig/Datteln (ddp/red) - Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig wies am Dienstag Beschwerden gegen die Nichtzulassung der Revision in dem Urteil des Oberverwaltungsgerichts (OVG) Münster vom 3. September 2009 zurück. Mit dem Urteil hatte das OVG den Bebauungsplan für das Projekt aufgehoben. Mit der Entscheidung der Leipziger Richter ist das OVG-Urteil nun rechtskräftig.

Das OVG hatte den Bebauungsplan für das E.ON-Projekt für unwirksam erklärt. Die Bauarbeiten mussten in der Folge teilweise gestoppt werden. Als Grund für die Entscheidung führte das OVG unter anderem an, dass die Stadt Vorgaben zum Naturschutz und zum Schutz der Bevölkerung nicht ausreichend beachtet habe. Die Anlage liege zu nahe an Wohngebieten. Damit wurde der Klage eines Landwirts aus Waltrop stattgegeben.

Sowohl die Stadt Datteln als auch die E.ON Kraftwerke GmbH hatten Beschwerden über die Nichtzulassung der Revision durch das OVG beim Bundesverwaltungsgericht eingelegt. Für den Fall einer Aufhebung der Genehmigung für das Kraftwerk müsste E.ON die Anlage zurückbauen und den ursprünglichen Zustand wiederherstellen.

Ein Sprecher der E.ON-Kraftwerke GmbH sagte, das Unternehmen setze sich trotz der juristischen Entscheidung weiter dafür ein, die planungsrechtlichen Grundlagen für einen genehmigungsfähigen Bau des Kraftwerks zu schaffen. Dazu gehöre vor allem, dass der Stadtrat am Mittwoch eine neue Aufstellung eines Bebauungsplans beschließt. Dadurch sollten die vom OVG monierten Punkte "geheilt" werden.

Laut dem Sprecher arbeiten trotz des teilweisen Baustopps derzeit noch 1600 Menschen auf der Baustelle in Datteln. Der Innenausbau werde derzeit fortgeführt, von dem Baustopp betroffen seien dagegen unter anderem ein Ammoniaklager, eine Netzanbindung und ein Kohlelager.

Der nordrhein-westfälische Landesverband des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) forderte als Reaktion auf die Gerichtsentscheidung den "kompletten Baustopp für das umstrittene Vorhaben". Das höchste Gericht habe die zahlreichen Rechtsverstöße des Bebauungsplans und der Landes- und Regionalplanung bekräftigt, teilte der BUND mit.

Mit Blick auf die Entscheidung des Dattelner Stadtrats über die Aufstellung eines neuen Bebauungsplans forderte der BUND, das Verfahren "zu beerdigen". Es sei eine Illusion anzunehmen, dass die jetzt höchstrichterlich bestätigten massiven Rechtsverstöße der Kraftwerksplanung geheilt werden könnten.

Nach seiner Fertigstellung sollte das Kraftwerk mit einer Leistung von rund 1050 Megawatt eines der größten Steinkohlekraftwerke Europas werden. Die Gesamtinvestition beträgt rund 1,2 Milliarden Euro. Im Jahr 2011 sollte das Kraftwerk eigentlich in Betrieb gehen.

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