Studie zu Energiemix

Kostenvorteile für Diesel auf dem Prüfstand

Die Kostenvorteile für Dieselfahrer könnten bald schwinden - jedenfalls wenn der Gesetzgeber den Ratschlägen der Deutschen Energie-Agentur (dena) folgt. Steige der Anteil der Dieselproduktion in den Raffinerien weiter wie bisher, so werde der ökologische Vorteil beim Verbrauch durch die aufwendigere Produktion überkompensiert.

Strompreise© Andre Bonn / Fotolia.com

Berlin (dapd/red) - Das sagte der Vorsitzende der dena-Geschäftsführung, Stephan Kohler, am Donnerstag in Berlin.

Kohler betonte aber, dass es sich um einen langfristig umzusetzenden Vorschlag handele. Er ist Teil der dena-Studie "Ungeliebt, aber unentbehrlich" zu Bedarf und Produktion von Mineralöl im künftigen Energiemix. Die Dieselproduktion betrage zurzeit das 1,4-fache der Benzinproduktion - eine Verdoppelung des Anteils seit 1990. Ginge diese Entwicklung ungebrochen weiter, stünde eine neuerliche Verdoppelung 2030 an.

Mehr Mischkraftstoffe angemahnt

Die dena empfiehlt darüber hinaus, bei der Motorenentwicklung darauf hinzuarbeiten, dass dem Diesel Otto- oder Biokraftstoffe beigemischt werden können. Den Raffineriebetreibern wurde geraten, die Mitverarbeitung von Biokomponenten schon bei der Herstellung zu ermöglichen.

In der Studie wird den deutschen Raffinerien im weltweiten Vergleich zwar ein gutes Abschneiden hinsichtlich der Effizienz und der Umweltbilanz bescheinigt. Kohler regte aber "besondere Anstrengungen zur Verbrauchsreduzierung" bei Schwerlastverkehr, Seeschifffahrt und Luftverkehr an. Besonders für die Flugzeuge sollte nach Ersatzstoffen für das Kerosin geforscht werden, da es genau so aufwendig in der Herstellung sei wie Dieselkraftstoff.

Gesetzliche Vorgaben gefordert

Der bei der Vorstellung der Studie anwesende Hauptgeschäftsführer des Mineralölwirtschaftsverbandes, Klaus Picard, erklärte, milliardenschwere Umweltauflagen gefährdeten die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Raffinerien. Schlössen sie, entstünden Umwelt- und Kostennachteile durch längere Transportwege und stärkere Abhängigkeit der deutschen Verkehrsträger vom Ausland.

Der Bundesverband Erneuerbare Energie nahm die Vorstellung der Studie zum Anlass, gesetzliche Vorgaben für eine weniger umwelt- und klimaschädliche Erdölproduktion zu fordern. Die dena sollte überlegen, "wie die Umwelt- und Klimabeeinträchtigungen durch zunehmend problematische Ölquellen verringert werden können", verlangte Verbandspräsident Dietmar Schütz.

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