Stromvertrag

Konflikt um Care Energy: Tausende landen in der Ersatzversorgung

Der Konflikt zwischen Care Energy und den Netzbetreibern setzt sich fort. Dadurch fallen weitere tausende Stromkunden in die Ersatzversorgung. Was genau bedeutet das für Betroffene?

Care Energy AG© Care Energy AG

Heidelberg – Stromlieferanten sind für die Versorgung ihrer Kunden auf Leitungsnetze angewiesen, über die Energie zu den Haushalten gelangt. Wenn ein Netzbetreiber einem Energieversorger das Recht auf die Nutzung der Netze entzieht, fallen die Kunden in die sogenannte Ersatzversorgung. Aktuell ist das in mehreren Bundesländern geschehen.

Care Energy im Konflikt mit den Netzbetreibern

Der Energieversorger Care Energy AG hat nach Informationen der Deutschen Presseagentur seinen Vertrag mit dem Netzbetreiber Tennet fristlos gekündigt. Das betroffene Netzgebiet erstreckt sich über Schleswig-Holstein, Bremen, Niedersachen, große Teile Hessens und Bayerns sowie einen Teil von Nordrhein-Westfalen. Zuvor hatte bereits der Netzbetreiber 50Hertz nach eigenen Angaben die Zusammenarbeit mit der Care Energy AG beendet. Betroffen sind in diesem Fall Kunden in Ostdeutschland und in Hamburg. Was bedeutet das und was sollten Verbraucher beachten? Das Verbraucherportal Verivox erklärt die Hintergründe.

Energieversorgung per Gesetz

Mit der Ersatzversorgung wird gesetzlich sichergestellt, dass niemand im Dunkeln sitzen muss. Das regelt Paragraph 38 des Energiewirtschaftsgesetzes. Die Ersatzversorgung greift, wenn ein Energieversorger das Netznutzungsrecht verliert oder es zu ungeplanten Verzögerungen beim Anbieterwechsel kommt. Dann springt der örtliche Grundversorger ein. Die Ersatzversorgung kann bis zu drei Monate dauern, sie hat keine Kündigungsfrist und darf nicht teurer sein als der örtliche Grundversorgungstarif.

Tipps für Verbraucher in der Ersatzversorgung

Zunächst einmal gilt: Ruhe bewahren, denn die Versorgung ist gesetzlich gesichert. Der örtliche Netzbetreiber ist verpflichtet, die Kunden unverzüglich über die Kündigung des Netzzugangs und die Ersatzversorgung schriftlich zu informieren. Auch der örtliche Grundversorger muss schriftlich mitteilen, dass er nun der neue Lieferant ist.

Unbedingt Zählerstände notieren

Sobald die Kunden erfahren haben, zu welchem Termin die Ersatzversorgung begonnen hat, sollten sie handeln. Denn bei der Ersatzversorgung darf der Verbrauch geschätzt werden. Um nicht zu viel zu bezahlen, sollten die Kunden ihren Zählerstand ablesen und ihn sowohl dem Netzbetreiber als auch dem Grundversorger mitteilen. Am besten dokumentieren sie den Zählerstand auch mit einem Foto des Zählers.

Ersatzversorgung ist oftmals teurer

Die Preise der Ersatzversorgung entsprechen üblicherweise dem Grundversorgungstarif des örtlichen Strom- oder Gasanbieters. Dieser Tarif ist in der Regel besonders teuer, kann dafür aber kurzfristig gekündigt werden. Ein Drei-Personen-Haushalt mit einem Stromverbrauch von 4.000 kWh zahlt in diesem Tarif im bundesdeutschen Durchschnitt derzeit 1.211 Euro pro Jahr. Im günstigsten verfügbaren Tarif mit fairen Konditionen werden lediglich 749 Euro fällig, ein Preisunterschied von 462 Euro pro Jahr.

Kündigung der Ersatzversorgung übernimmt der neue Anbieter

Bei der Wahl eines neuen Anbieters sollten Verbraucher neben dem Preis auch auf faire Vertragsbedingungen wie kurze Laufzeiten und Preisgarantien sowie auf Empfehlungen anderer Kunden achten. Bei einem Preisvergleich im Internet können Kunden darüber hinaus gezielt nach regionalen Angeboten oder Ökostrom suchen. Um die Kündigung der Ersatzversorgung müssen sich die Verbraucher nicht selbst kümmern. Das übernimmt der neue Versorger.

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