Dreijähriges Forschungsprojekt

Konferenz: Offshore wirkt sich auf Meeressäule aus

Wissenschaftler befürchten, dass die Durchmischung der Wassersäule am Fuße der Windenergieanlagen möglicherweise weitreichende Folgen für die Ostsee nach sich ziehen könnte. Daher starteten Wissenschaftler in dieser Woche in Warnemünde ein dreijähriges Forschungsprojekt.

Hochspannungsleitung© Gina Sanders / Fotolia.com

Warnemünde (ddp-nrd/sm) - Kurz vor Baubeginn des ersten Windparks vor der deutschen Ostseeküste sorgen die Offshore-Anlagen erneut für Wirbel. Wissenschaftler befürchten, dass die Durchmischung der Wassersäule am Fuße der Windenergieanlagen möglicherweise weitreichende Folgen für die Ostsee nach sich ziehen könnte. So sind Auswirkungen auf den Salzgehalt und die Durchlüftung vor allem in den tieferen Becken des Binnenmeeres denkbar, hieß es in dieser Woche zum Auftakt einer internationalen Konferenz von Ostseeforschern in Warnemünde. Die Wissenschaftler aus Deutschland, Dänemark, Schweden und Polen starteten zu diesem Thema ein dreijähriges Forschungsprojekt, das vom Warnemünder Institut für Ostseeforschung (IOW) geleitet wird.

Im Gegensatz zu den Folgen für Vogelflug und Meeresbewohner seien die Effekte von Windparks auf den Wasserkörper bislang außer acht gelassen worden, begründete Hans Ulrich Lass vom IOW das Thema der Konferenz. Der Meeresphysiker hat unter anderem die Einströmungskanäle des salz- und sauerstoffreichen Nordseewassers in die Ostsee untersucht. Das Wasser "schwappt" nur unregelmäßig, oft mit Abstand von Jahren in größeren Mengen in das Binnenmeer. Die Ostsee ist aber auf salzreiches Wasser angewiesen, das durch seine Schwere in tiefere Schichten sinkt und für "Frischluft" auf dem Meeresboden des Binnenmeeres sorgt. "Stehen Windenergieanlagen im Weg, könnten sie diesen Zustrom bremsen", erklärte Lass.

Speziell an den Pfeilern der Anlagen kommt es zu Verwirbelungen des Meereswassers. Dadurch vermischt sich sauerstoff- und salzreiches Tiefenwasser mit süßerem Oberflächenwasser. Dieser Effekt ist wie eine Fahne hinter den Pfeilern der Windmühlen zu beobachten. Tiefe Becken, die im "Windschatten" der Anlagen liegen, würde im Extremfall nur noch durchmischtes Wasser erreichen. Sie werden schlechter mit Sauerstoff versorgt. "Das macht sich nicht bei wenigen Windenergieanlagen bemerkbar. Aber bei Hunderten schon", sagte Lass.

Den Wissenschaftlern kommen Erfahrungen von den Erbauern der Öresundbrücke zugute, die ebenfalls Verwirbelungen an den Brückenträgern untersucht haben. Dort sei der Strom von Nordseewasser aber noch zu gewaltig, um gebremst werden zu können.

Allein für den ersten deutschen Windpark in der Ostsee laufen die Genehmigungsverfahren seit acht Jahren. Zahlreiche Gutachten seien erarbeitet worden, sagte Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Wolfgang Methling (PDS) in Warnemünde. Zu einer Beeinträchtigung des Wasseraustausches aber gebe es keine Forschungsergebnisse.

Nachdem vor wenigen Wochen zwei Ostsee-Offshoreparks abgelehnt worden waren, steht jetzt der erste vor dem Baubeginn. Raumordnungs- und Genehmigungsverfahren sollen noch in diesem Jahr abgeschlossen werden, kündigte Methling an. Nördlich der Halbinsel Darß sollen insgesamt 21 Windenergieanlagen mit einer Gesamtleistung von 55 Megawatt entstehen. Der Windpark "Baltic I" liegt am Rande des Schifffahrtsweges und ist 15 Kilometer vom Leuchtturm Darß entfernt.

Zwei Referenz-Windanlagen in der südlichen Ostsee sollen außerdem erste praxisnahe Informationen liefern, wie Methling ankündigte. So liegt die Baugenehmigung für eine Anlage im Mündungsarm der Rostocker Warnow bereits vor. Eine zweite soll 3,5 Kilometer vor der Westküste des Landes aufgebaut werden. Dort komme auch ein neuartiges, in Mecklenburg-Vorpommern entwickeltes Fundament für Offshore-Anlagen zum Einsatz. Weitere Windparks vor Mecklenburg-Vorpommern würden erst genehmigt, wenn ausreichend Erfahrungen aus dem Projekt "Baltic I" vorlägen, sagte Methling.

Von Katrin Schüler

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