Preise gesunken

Kommentar: Interesse an Stadtwerkeanteilen sinkt

Vor etwa eineinhalb Jahren hat die europäische Tochter des amerikanischen Energieriesen TXU Insolvenz angemeldet - erst jetzt wurde ein Teil der Anteile wieder verkauft. Die Mannheimer MVV hat den Zuschlag für einen Schnäppchenpreis bekommen. Warum ist das Interesse an Stadtwerkeanteilen verschwunden?

Strompreise© Andre Bonn / Fotolia.com

Wetzlar (red) - Für den Mannheimer Energieversorger MVV Energie AG ist der Kauf von 51 Prozent an den Stadtwerken Kiel ein echtes Schnäppchen: Brancheninformationen zufolge soll er knapp 125 Millionen Euro dafür bezahlt haben. Der amerikanische Energieriese TXU, aus dessen Insolvenzmasse die Stadtwerke Kiel stammen, hatte vor drei Jahren fast 100 Millionen Euro mehr dafür bezahlt. Es scheint, der Markt hat kein Interesse mehr, auch nicht an Stadtwerke-Anteilen, die einst als äußerst lukrativ galten, weil sie einen direkten Endkundenzugang ermöglichen.

Der Verkauf der TXU-Anteile an Kiel verlief schleppend und zäh. Da neben der MVV nur noch die deutsche Tochter des niederländischen Energiekonzerns Essent mitbot, ging der regionale Versorger, der im vergangenen Jahr immerhin einen Umsatz von knapp 300 Millionen Euro erwirtschaftete, letztlich für weniger über den Tisch, als von der Branche erwartet wurde. MVV-Chef Rudolf Schulten freut sich daher nicht ohne Grund über seinen Coup. Mit gezielten Zukäufen, u.a. in Offenbach und Solingen, will er ein Netzwerk an Stadtwerken aufbauen.

Was passiert nun mit den anderen TXU-Anteilen? Der Berliner Newcomer ares war nicht zu retten und meldete im Winter 2002 Insolvenz an. Der Verkauf von 75 Prozenten an den Stadtwerke Braunschweig läuft, ernste Kandidaten geschweige denn eine erfolgreicher Veräußerung ist nicht in Sicht. Viele kommunale Anteilseigner, die einen Verkauf ihrer Beteiligungen in Betracht gezogen haben, verschieben ihr Vorhaben derzeit, da die Preise deutlich gesunken sind und das Interesse, insbesondere von ausländischen Investoren, extrem nachgelassen hat. Bisher gab es erfolgreiche Transaktionen bei ungefähr 300 Stadtwerken. Die Einkaufstour der größten deutschen Energieversorger E.ON und RWE wurde vom Bundeskartellamt gestoppt, um die Monopolstellung einzudämmen.

Jetzt hoffen chronisch finanzschwache Stadträte und kommunale Parlamente auf die Regulierungsbehörde. Wenn der Wettbewerb im Strommarkt wieder ein bisschen anzieht, steigt vielleicht das Interesse von ausländischen Energieversorgern und die Kommunen können ihr "Tafelsilber" zu einem für sie akzeptablen Preis verkaufen.

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