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Kommentar: Gasmarkt vor dem Umbruch?!

Nach jahrelangen vergeblichen Bemühungen um eine Öffnung des deutschen Gasmarktes könnte der Wettbewerb in der Branche in den nächsten Monaten endlich vor einem Durchbruch stehen. Kartellamt und Bundesnetzagentur forcieren ihre Anstrengungen in diese Richtung.

Energieversorung© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin (ddp.djn/sm) - Und auch die Gaswirtschaft selbst gibt sich mittlerweile kompromissbereit. Die Verbraucherproteste gegen die Preispolitik haben offenbar Eindruck bei den Unternehmen gemacht. "2006 wird ein entscheidendes Jahr für den Wettbewerb", sagt jetzt Michael Feist, Präsident des Gasverbandes BGW.

Ein wichtiger erster Schritt könnte hierbei bereits in der kommenden Woche gelingen. Denn die Gasversorger sind verpflichtet worden, Konkurrenten ab dem 1. Februar den Zugang zu ihren Pipelines nach den Bedingungen des neuen Energiewirtschaftsgesetzes zu gewähren. Die Verhandlungen über ein entsprechendes Modell, das einen einfachen Wechsel des Gaslieferanten möglich machen soll, standen Anfang des Jahres noch kurz vor dem Abbruch. Mittlerweile gehen sowohl der Bundesverband der deutschen Gas- und Wasserwirtschaft (BGW) als auch die Regulierungsbehörde davon aus, dass es eine Einigung bis Ende Januar geben wird.

Sollte dies gelingen, müssen die Gaskunden zwar noch ein gutes halbes Jahr auf die Umsetzung warten. Es wäre aber nach langem Ringen die Basis dafür geschaffen worden, dass auch die Privatverbraucher künftig ihren Gasanbieter wechseln können. Dies soll Ende 2006 endlich der Fall sein. "Bei der heutigen Unzufriedenheit über die hohen Preise ist auch davon auszugehen, dass viele Kunden eine Wechseloption prüfen werden", erwartet BGW-Präsident Feist.

Die eigentliche Wechselwelle wird sich nach Einschätzung des Verbandes allerdings kaum größer sein als auf dem Strommarkt. Hier haben in den vergangenen Jahren gerade einmal fünf Prozent der Verbraucher den Anbieter getauscht. Die Wahlmöglichkeit an sich werde aber zu einer größeren Zufriedenheit der Kunden führen, ist sich Feist nach den Protesten Zehntausender Kunden in den vergangenen Monaten sicher. Immerhin haben die Proteste schon Ende vergangenen Jahres zu ersten Offenlegungen von Preiskalkulationen der Gasversorger geführt.

Ihre Hoffnung auf Preissenkung setzen viele Verbraucher weiterhin auch auf Kartellamts-Präsident Ulf Böge, der vor allem der E.ON Ruhrgas AG zurzeit arg zusetzt. Das lange angekündigte und in dieser Woche endgültig verkündete Verbot von langfristigen Gasverträgen trifft zunächst das mit einem Marktanteil von über 60 Prozent dominante Unternehmen der Branche. Entscheiden müssen nun die Gerichte. Böge will aber endgültige Klarheit bis zum Ende des laufenden Gaswirtschaftsjahres, also Ende September.

Mit der Öffnung der Verträge will der Behörden-Chef ein weiteres wesentliches Hindernis für einen funktionierenden Wettbewerb wegräumen. Auch damit werde der Druck auf die Preise verstärkt, sagt er. Die Warnungen vor einer Gefährdung der Versorgungssicherheit lässt Böge nicht gelten. Was solle daran falsch sein, wenn zusätzliche Anbieter mit zusätzlichen Mengen in den bisher abgeschotteten deutschen Markt hinein kämen, argumentiert er. Ruhrgas dagegen will vor allem den teilweisen Ausschluss aus dem Wettbewerb um neue Lieferverträge nicht hinnehmen.

Von Korrespondent Andreas Heitker, Dow Jones Newswires

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