Kommentar: Eingesetzte PLC-Technologie von MVV nicht die erste ihrer Art

Hochspannungsleitung© Gina Sanders / Fotolia.com
Heute morgen veröffentlichte das strom magazin einen Artikel über die von der Mannheimer MVV AG eingesetzte Powerline-Technologie. Nach Angaben des Unternehmens wird diese Technologie erstmals in industrieller Umgebung eingesetzt (den Artikel finden Sie hier). Zu diesem Sachverhalt hat sich nun der Vorstand Absatzwirtschaft Görlitz Computerbau AG aus Koblenz, Ralf Hoffmann, zu Wort gemeldet. "Die Behauptung ist falsch", stellt er fest. Nachfolgend veröffentlichen wir seinen Kommentar in der Originalversion.


Als Hersteller von Powerline-Kommunikationstechnik freuen wir uns auf die vielen Hinweise und Meldungen, die dieses Thema in der Presse finden. In dem Artikel der MVV Mannheim AG wird aber ein Sachverhalt unrichtig dargestellt. Die Behauptung der MVV Mannheim, dass in dem dort stattfindenden Projekt "Internet über das Stromnetz" zum ersten Mal PLC-Technik in industrieller Umgebung auf dem 20 KV Stromnetz eingesetzt würde, ist falsch.


Bereits 1997 hat der Berliner Stromversorger BEWAG ein entsprechendes Projekt Powerline auf dem Mittelspannungsnetz unter dem Projektnamen "MIDAS" ins Leben gerufen und betreibt die Technik bis heute Online. Hersteller des Systems ist die Görlitz Computerbau Aktiengesellschaft in Koblenz. Insofern ist die jetzt in Mannheim vorgestellte Nutzung also weder neu noch einmalig. Ähnliche Technologien und Betreiberanlagen in England sind ebenfalls schon viel früher realisiert worden. Das englische Unternehmen RMS hat beispielsweise schon Anfang der 90er Jahre Mittelspannungs-Powerline Systeme entwickelt und angeboten.


Alle bislang entwickelten und angebotenen Technologien haben aber insgesamt nicht den gewünschten oder geplanten Markterfolg gezeigt. Die Ursache hierfür liegt aber nicht in der nicht vorhandenen Technologie oder den technischen Konzepten, sondern einfach in dem hohen Kostenaufwand für den Betrieb der hierfür erforderlichen Infrastruktur auf der Netzseite des Elektrizitäts-Transportnetzes. Rechnet man alle Kosten für den Aufbau eines PLC-Netzes in die Kalkulation eines Powerline Betriebs ein und vernachlässigt den Aufwand für die zentrale Infrastruktur nicht, dann ist der Serienbetrieb solcher Systeme immer teurer als vergleichbare last-mile Verbindungen wie Funk oder die herkömmliche und vorhandene Infrastruktur. Insofern ist auch zu erklären, dass keines der bislang angekündigten Powerline-Projekte auch in einen Serienbetrieb überführt werden konnte, obwohl nach einhelliger Aussage die technischen Hürden bereits seit längerem genommen sind.

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