Kommentar: Clearing-Center gibt es bereits

Hochspannungsleitung© Gina Sanders / Fotolia.com
Gestern berichtete das strom magazin, dass die Vereinigung Deutscher Elektrizitätswerke (VDEW) ein ClearingCenter für den deutschen Energiemarkt einrichtet (die ganze Nachricht lesen Sie hier). Daraufhin gab Ralf Hoffmann, Vorstand der Mainzer EuroDCS Energiedaten AG, bekannt, dass die Idee durchaus nicht neu sei. In unserer O-Ton-Reihe veröffentlichen wir nachfolgend seinen Kommentar.


Auch wir haben gestern gleichsam erstaunt und mit Interesse die Meldung des VDEW gelesen, nun ein Clearing-Center als weiteren Schritt zur Unterstützung der Marktöffnung in Deutschland gemeinsam mit einem Beratungsunternehmen aufzubauen. Tatsächlich gibt es solche Clearing-Center als zentrale Datenmanagementunternehmen in Deutschland bereits seit über einem Jahr. Bislang war aber die Bereitschaft zur Nutzung seitens der Energiewirtschaft sehr zurückhaltend. Die Bereitschaft der Händler und neuen Anbieter hingegen sehr hoch, ohne die breite Zustimmung der Netzbetreiber zu solchen Plattformen jedoch wirkungslos. Die technische Möglichkeit, alle Anforderung an das Datenmanagement nach der Verbändevereinbarung II in einem Clearing Center abzubilden, existiert bereits seit Mitte 1999. So bieten die Unternehmen EuroDCS Energiedaten AG (Mainz), Ebit GmbH (München), Schlumberger RMS (Karlsruhe) oder auch die Siemens AG (Nürnberg) seit längerem ihre Dienstleistungen am deutschen Markt an. Der mäßige wirtschaftliche Erfolg aller genannten Unternehmen in diesem Clearing-Markt liegt überwiegend daran, dass die Mehrzahl der Energielieferverträge für Neukunden in Deutschland nicht mit wirklicher Energielieferung durch den neuen Anbieter erfolgt, sondern als Beistellung des alten Lieferanten.


Die bisherigen Stromlieferanten begründen die Unmöglichkeit der Durchleitungserfüllung in der Regel mit technischen Lücken im Datenmanagement - obwohl die oben genannten Unternehmen die erforderlichen Technologien seit über einem Jahr entwickelt haben und anbieten. Wenn jetzt der VDEW selbst die Nutzung von Datendienstleistungen als einen Meilenstein für die Umsetzung der Marktöffnung und der Verbändevereinbarung preist ist das eine lobenswerte Einsicht. Den neuen Aufbau eines Clearing-Centers und damit zusätzliche Wartezeit erfordert dies aber nicht. Es gibt bereits vier betriebsfähige und nicht ausgelastete Clearing Stellen in Deutschland die allesamt einen operativen Betrieb nach der Verbändevereinbarung II haben und schon seit dem letzten Jahr hätten in der Breite genutzt werden können.


Das Angebot der Mainzer EuroDCS AG dürfte den Planungen der VDEW am ähnlichsten sein. Auch am Mainzer Unternehmen ist eine breite Palette von Energieunternehmen direkt bzw. indirekt beteiligt. Über eine 50 prozentige Beteiligung der schweizerischen ATEL sind am Mainzer Unternehmen indirekt die RWE Energie AG, die französische EDF, EON, die österreichische EVN plus einige weiterer kleinerer Energieunternehmen beteiligt.

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