Streit um neue Filter

KoMa: Kraftwerksbetreiber wollte an Luftreinhaltung sparen

Im Streit um die Auswirkungen des geplanten Kohleheizkraftwerks auf der Ingelheimer Aue wirft die Bürgerinitiative Kohlefreies Mainz (KoMa) den Kraftwerken Mainz-Wiesbaden (KMW) "Gewinnstreben auf Kosten der Bevölkerung" vor. Die KMW hat erst jetzt angeboten, die Emissionen zu senken.

Strompreise© Andre Bonn / Fotolia.com

Mainz (ddp-rps/sm) - Hintergrund ist die überraschende Ankündigung der KMW, die Emissionen des geplanten Kohlekraftwerks nun halbieren zu wollen. Der KoMa-Vorsitzende Christof van den Bruck warf dem Unternehmen daraufhin am Mittwoch vor, es habe zwei Jahre lang versucht, den Bürgern "veraltete Reinigungstechniken unterzujubeln". Eine Unternehmenssprecherin wies den Vorwurf als falsch zurück.

Gegen das von der KMW geplante Kohleheizkraftwerk bei Mainz gibt es heftigen Widerstand in der Region. Die Kritiker befürchten steigende Schadstoffemissionen und dadurch erhebliche Gefahren für Mensch und Umwelt. Die KMW hatten das stets zurückgewiesen und darauf verwiesen, dass Experten etwa die Mehrbelastung durch Feinstaub durch das neue Kraftwerk als "irrelevant" einstuften.

Bürgerinitiative: Jahrelang falsche Behauptungen

Am Montag hatten die KMW dann überraschend angekündigt, die Emissionen des Kraftwerks an Staub und Stickstoffdioxiden durch die Verbesserung der Abgasreinigungsanlage um rund 50 Prozent reduzieren zu wollen. Van den Bruck sprach von einem "Skandal". Die jahrelangen Behauptungen, man baue das modernste Kohleheizkraftwerk der Welt seien offenbar "schlichtweg falsch" gewesen. "Bei den KMW ging Geld vor Luftreinhaltung", kritisierte der KoMa-Vorsitzende.

Die Initiative habe zudem schon beim Erörterungstermin im Frühjahr darauf hingewiesen, dass die KMW mit veralteter Filtertechnik planten und dass bei vergleichbaren Kohle-Projekten bereits deutlich bessere Filtertechnologien zum Einsatz kämen. Die Behauptung, man plane mit der "besten verfügbaren Technik" habe sich nun "als dreiste Lüge entpuppt", sagte van den Bruck. Die KMW verhielten sich damit "noch skrupelloser als die vielfach gescholtenen Energieriesen". Das Einlenken geschehe "einzig und allein" auf Druck der Bürgerinitiativen.

Nur beantragt, was gesetzlich vorgeschrieben ist

Der Umweltingenieur Peter Gebhardt, der als Gutachter für die KoMa tätig ist, bestätigte, er habe bereits im Frühjahr von den KMW den Einsatz sogenannter Gewebefilter gefordert. Die KMW hätten aber immer nur das beantragt, was gesetzlich vorgeschrieben sei. Die nun angekündigte Halbierung könnten die KMW durch eine verbesserte Ausnutzung der von ihr vorgesehenen Elektrofilter samt Nasswäsche erreichen. Man könne sich schon fragen, "warum haben die das nicht gleich angeboten" hätten, sagte Gebhardt. Offenbar wollten die KMW mit ihrem Angebot weniger Angriffsfläche im laufenden Genehmigungsverfahren bieten.

KMW-Sprecherin Antje Hermanni sagte dagegen, die technischen Einzelheiten werde man erst dann vorlegen, wenn die Unterlagen an die Struktur- und Genehmigungsdirektion Süd (SGD) gingen. Das werde "in diesen Tagen" geschehen. "Es wird nicht nachgebessert, sondern verbessert", betonte Hermanni. Die KMW hätten immer zugesichert, technische Verbesserungen sofort einzusetzen, sobald sie erprobt und serienreif seien. Auch hätte die Verbesserung nichts mit den Kosten zu tun, sagte sie weiter. Nach Angaben der Sprecherin wird die technische Aufrüstung zwischen sieben und zehn Millionen Euro an Mehrkosten verursachen.

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