Ohne Biss

Klimagipfel in Johannisburg: Enttäuschte Reaktionen auf abgespecktes Aktionsprogramm zu erneuerbaren Energien

Trotz intensiver Bemühungen von Bundeskanzler Gerhard Schröder konnten sich die Staaten beim Weltklimagipfel in Johannisburg nicht auf eine verbindliche Zusage zum Ausbau regenerativer Energien einigen. Zu stark war der Widerstand der USA und den OPEC-Ländern. Die deutschen Umweltverbände zeigen sich vom Ergebnis enttäuscht.

Stromtarife© Gina Sanders / Fotolia.com

Der Klimagipfel in Johannisburg geht heute zu Ende, aber ein echter Durchbruch - beispielsweise im Bereich erneuerbare Energien - konnte nicht erzielt werden. Weder auf ein konkretes Ziel zur Erhöhung des Anteils an erneuerbaren Energien, noch auf einen Zeitplan für die Umsetzung eines solchen Programms konnten sich die Staaten einigen.

Insbesondere die USA und die OPEC-Staaten haben dabei das geplante Aktionsprogramm blockiert. Unterstützt wurden sie von Japan, das im Unterschied zu den USA und den OPEC-Staaten jedoch das Kyoto-Protokoll ratifiziert hat. Die Umweltorganisation "Germanwatch" bezeichnete die Energiewende für die Armen deshalb als "einen Biss ohne Zähne". Nach langen Verhandlungen war ein Text verabschiedet worden, aus dem alle Bezüge auf ein konkretes Ziel für den weltweiten Ausbau erneuerbarer Energien gestrichen wurden. Entsprechend gibt es auch keinen Zeitplan, sondern nur die unverbindliche Aufforderung "dringend" den Anteil der erneuerbaren Energien zu erhöhen. Angelika Zahrnt, BUND-Vorsitzende, kommentiert: "Dieses Fiasko im Energiebereich kann nicht aufgewogen werden durch die wenigen positiven Resultate des Gipfels. Gerade nach den Unwetterkatastrophen der letzten Wochen ist dieses Ergebnis ein schwerer Schlag für den Klimaschutz. Der Weltgipfel für nachhaltige Entwicklung ist zum Gipfel der nachhaltigen Enttäuschung geworden!"

Mit dem Auftritt von Bundeskanzler Schröder in Johannisburg zeigten sich die Umweltverbände zufrieden. Schröder sagte zu, dass Deutschland auch in Zukunft Vorreiter beim Klimaschutz bleiben wird. "Wir fordern jedoch die anderen Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen eindringlich auf, alles daran zu setzen, das Kyoto-Protokoll so bald wie möglich zu ratifizieren und die dort vereinbarten Zielsetzungen einzuhalten. Ich appelliere vor allem auch an die Vereinigten Staaten von Amerika, ihrer Verantwortung beim Klimaschutz nachzukommen und einen gleichwertigen Beitrag zur Verminderung der Treibhausgase zu leisten."

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