Untersuchung

Kienbaum stellt baden-württembergischer Atomaufsicht gutes Zeugnis aus

Die Aufbau- und Ablauforganisation der Atomaufsicht im baden-württembergischen Umweltministerium standen seit Januar 2002 auf dem Prüfstand. Die Unternehmensberatung Kienbaum hat jedoch ein überwiegend positives Zeugnis ausgestellt, aber auch weitere Optimierungspotenziale festgestellt und deren Umsetzung vorgeschlagen.

Energieversorung© Gina Sanders / Fotolia.com

Das baden-württembergische Umwelt- und Verkehrsministerium hatte im Januar dieses Jahres die Unternehmensberatung Kienbaum beauftrag, die Aufbau- und Ablauforganisation der Fachabteilungen in der Atomaufsicht zu untersuchen. Im jetzt vorgelegten Ergebnis bestätigt Kienbaum die Organisationsstruktur der Abteilung Reaktorsicherheit, Umweltradioaktivität und stellt punktuell Optimierungspotentiale fest.

Nach detaillierten Erhebungen und Analysen, in deren Rahmen Kienbaum sieben Prozesse ( u.a "Behandlung meldepflichtiger Ereignisse" oder "Notfallschutz") identifiziert und in Arbeitsgruppen modelliert hat, kommt die Untersuchung zu dem Ergebnis, dass die bestehende Organisationsstruktur der Fachabteilung des Ministeriums für Umwelt und Verkehr zur Wahrnehmung der staatlichen Atomaufsicht durchaus geeignet ist. Kritisch untersucht wurden auch die nicht-fachliche Kommunikation und Kompetenz innerhalb der Abteilung. Optimierungspotenzial sieht Kienbaum in folgenden Bereichen:

  • Aus der eher ingenieurwissenschaftlich-technischen Behandlung der meldepflichtigen Ereignisse sollten Konsequenzen in Richtung eines ganzheitlichen Sicherheitsansatzes "Mensch – Technik – Organisation" gezogen werden, wobei auch die formalrechtliche Beurteilung von sicherheitsrelevanten Sachverhalten zu berücksichtigen ist.
  • Die Steuerung der Gutachter, insbesondere durch Präzisierung der einzelnen Aufträge und deren Abrechnung, sollte verbessert werden.
  • Die Arbeit des grundsätzlich für alle Kernkraftwerke zuständigen Generalgutachters sollte durch einen oder mehrere zusätzliche Gutachter in Teilbereichen ergänzt werden.
  • Die Nachwuchsgewinnung im Bereich der staatlichen Atomaufsicht sollte stärker gefördert werden.
  • Bei der Beauftragung externer Sachverständiger sollten formalisierte schriftliche Arbeitsgrundlagen geschaffen werden.

Als zweckmäßig und nutzbringend stellt Kienbaum insbesondere dar:

  • Die objektorientierte Aufbauorganisation der Abteilung in Form der Zuordnung der Aufsichtsreferate zu den einzelnen Kernkraftwerken.
  • Die gleichzeitige Strukturierung der Abteilung zur Bündelung funktionaler Querschnittsaufgaben (drei Querschnittsreferate, zehn sog. Fachkoordinatoren sowie die Bildung von abteilungsweiten Aufsichtsschwerpunkten in Projektorganisationen).
  • Die Einrichtung einer Clearing-Stelle zur frühzeitigen Beurteilung meldepflichtiger und potenziell meldepflichtiger Ereignisse.
  • Die Nutzung des speziellen Fachwissens einer großen externen Gutachterorganisation als Generalgutachter.

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