Klimafreundlich und kostengünstig

Kiel will längere AKW-Laufzeiten - Zweifel an Vattenfall

Die schleswig-holsteinische Landesregierung hat sich für eine Laufzeitverlängerung von sicheren Kernkraftwerken ausgesprochen. Das AKW Krümmel könne nur weiterlaufen, wenn alle sicherheitsrelevanten Voraussetzungen erfüllt seien, ansonsten müsse Vattenfall die Betriebserlaubnis entzogen werden.

Stromtarife© Gina Sanders / Fotolia.com

Kiel (ddp/red) - Atomkraft sei eine vorerst unverzichtbare Brückentechnologie, solange keine klimafreundlichen und kostengünstigen Alternativen in ausreichender Menge zur Verfügung stünden, sagte der für die Atomaufsicht zuständige Interimssozialminister Christian von Boetticher (CDU).

Die Landesregierung, die nach dem Platzen der großen Koalition allein von der CDU gestellt wird, stehe deshalb für eine Laufzeitverlängerung der sicheren Atomkraftwerke, die von zuverlässigen Betreibern betrieben würden, betonte der Nachfolger der entlassenen SPD-Ministerin Gitta Trauernicht.

Gutachten prüft Zuverlässigkeit von Vattenfall

Zugleich erhöhte Boetticher den Druck auf Vattenfall als Betreiber des pannenanfälligen AKW Krümmel. Die Frage nach der Zuverlässigkeit von Vattenfall werde auch auf Grundlage eines externen Gutachtens beantwortet, das noch von seiner Amtsvorgängerin in Auftrag gegeben worden sei. "Wie auch immer das Ergebnis sein wird: Gemeinwohlinteresse muss vor Unternehmensinteresse gehen. Das gilt für Betreiber von Kernkraftwerken in ganz besonderem Maße", sagte Boetticher.

Kritik an Informationspolitik

Er kritisierte die zögerliche Meldung der jüngsten Zwischenfälle an die Atomaufsicht der Landesregierung. Auch die Information von Medien und Öffentlichkeit durch Vattenfall sei erneut mangelhaft gewesen. Das Controlling im Kernkraftwerk müsse endlich funktionieren, forderte Boetticher: "Offensive Sicherheitskultur sieht anders aus!"

Boetticher betonte, wenn die Voraussetzungen für den Entzug der Betriebserlaubnis vorlägen, "dann muss und wird sie auch entzogen werden. Das ist nämlich keine Frage des politischen Wollens, sondern geltende Rechtslage". Krümmel könne nur dann weiterlaufen, wenn alle sicherheitsrelevanten Voraussetzungen des Atomgesetzes wieder erfüllt seien.

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