Energiewende nötig

Kernphysiker Dürr warnt vor Abkehr vom Atomausstieg

Der Kernphysiker und Ökologe Hans-Peter Dürr warnt eindringlich vor einer Abkehr vom Atomausstieg. "Wir erzeugen mit Atomkraftwerken nur relativ wenig Energie, ihre Gefahren sind jedoch ungeheuer", sagte Dürr am Mittwoch in einem ddp-Interview.

Energieversorung© Gina Sanders / Fotolia.com

München (ddp/red) - Es wäre ein schwerer Fehler, wenn sich die neue schwarz-gelbe Bundesregierung für eine Verlängerung der Laufzeiten der deutschen Kernkraftwerke entscheiden sollte. Stattdessen fordert der Wissenschaftler, so schnell wie möglich auf eine Vollversorgung mit Sonnenenergie zu setzen.

"Wenn wir es geschafft haben, in zehn Jahren einen Mann auf den Mond zu schießen, schaffen wir auch die solare Revolution", sagt Dürr. Letztlich gehe es nur um die Frage, ob man bereit sei, die notwendigen Geldsummen in die Energiewende zu stecken. "Wenn Banken pleite gehen, wird einfach Geld gedruckt. Ich würde auch für den Umstieg auf Sonnenenergie auf Teufel komm raus Geld drucken."

Solarstrom-Projekt Desertec überflüssig

Die solare Energiewende ist laut Dürr nur möglich, wenn auch die großindustriellen Strukturen der Energieerzeugung verändert werden. Die Energieherstellung müsse in der Hand der Bürger und Kommunen, nicht der Großkonzerne oder Staaten liegen.

Aus diesem Grund sprach sich Dürr auch gegen das gigantische Wüstenstrom-Projekt Desertec aus, mit dem ein internationales Konsortium von Konzernen und Banken in der Sahara in großem Maße Sonnenstrom erzeugen und nach Europa übertragen will. "Ich habe nichts dagegen, wenn die Afrikaner diese Sonnenkraftwerke selbst bauen wollen. Wir in brauchen sie aber nicht, weil es bei uns genug nutzbare Sonnenstrahlung gibt."

Hans-Peter Dürr, der an diesem Mittwoch 80 Jahre alt wurde, ist Mitglied des Club of Rome und war lange Jahre Direktor des Max-Planck-Instituts für Physik in München. Dort war er von 1958 bis 1976 Mitarbeiter des Nobelpreisträgers Werner Heisenberg, der als einer der bedeutendsten Physikers des 20. Jahrhunderts gilt. Dürr gilt als wichtiger Impulsgeber der internationalen Umwelt- und Friedensbewegung. 1987 erhielt er den Alternativen Nobelpreis.

Das könnte Sie auch interessieren
  • Atomenergie Gefahr

    Stresstest: Nicht genug Atom-Rückstellungen für den "Worst Case"

    Der Stresstest zu den Rückstellungen der Atomkonzerne sorgt für Unstimmigkeiten in der Politik. Während Sigmar Gabriel die Ergebnisse dahin gehend interpretiert, dass die Gelder der Konzerne ausreichen werden, warnt die Opposition davor, sich auf den Ergebnissen auszuruhen. Der Test zeigt auch, dass die Rückstellungen bei ungünstigen Umständen bei weitem nicht ausreichen würden.

  • Solaranlage

    Zu wenig Solaranlagen - Vergütungssätze bleiben unverändert

    Die Vergütungssätze für Solaranlagen werden erstmals nicht gekürzt, weil der Zubau neuer Anlagen stark zurückgegangen ist. Die Höhe der Einspeisevergütung bleibt damit für das Folgequartal unverändert. Haben die vergangenen Kürzungen durch die Bundesregierung den Zubau nun gänzlich ausgebremst?

  • Hochspannungsmasten

    Acht Modellregionen für Elektroautos in Deutschland

    Acht Modellregionen in Deutschland sollen die Voraussetzungen für den massenhaften Einsatz von Elektroautos prüfen. In diesen solle geklärt werden, wie und wo eine sichere Infrastruktur für Ladestationen aufgebaut werden könne und welche Herausforderungen an die strombetriebenen Autos selbst zu stellen sind.

  • Strompreise

    Solarthermik: Langfristig eine Billion Euro Umsatz möglich

    Der weltweite Bau von solarthermischen Kraftwerken bietet für deutsche Unternehmen laut einer Studie ein billionenschweres Umsatzpotenzial. Bis 2050 könnten die Firmen bis zu zwei Billionen Euro erlösen, teilten die Umweltschutzorganisation Greenpeace und die deutsche Sektion des Club of Rome am Donnerstag in Berlin mit.

  • Strom sparen

    Schröder und Steinmeier werben für Energiewende

    Alt-Kanzler Gerhard Schröder und Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier haben gemeinsam für einen ökologischen Umbau der Wirtschaft geworben. Schröder wies auf einer Veranstaltung darauf hin, dass es die rot-grüne Bundesregierung gewesen sei, die in Deutschland die notwendige Wende in der Energiepolitik eingeleitet habe.

Top