Abschaltung gefordert

Kernkraftgegner: Beinahe-GAU in Biblis Anfang 2004

Die atomkritische Ärztevereinigung IPPNW hat beim Hessischen Umweltministerium die Stilllegung von Biblis B beantragt und mit Verwaltungsklage gedroht, falls dem Antrag nicht stattgegeben wird. Nach über zweijähriger Recherche hat sie 49 grundlegende Sicherheitsmängel in dem Meiler festgestellt.

Strom sparen© Gina Sanders / Fotolia.com

Frankfurt/Main (ddp/sm) - Das Atomkraftwerk Biblis B ist nach Einschätzung von Kernkraftgegnern vor anderthalb Jahren knapp an einer Katastrophe vorbeigeschrammt. Aufgrund eines Unwetters und eines Kurzschlusses seien am 8. Februar 2004 in dem Meiler mindestens fünf Stromsysteme ausgefallen. "Das war fast der Super-GAU", sagte Emil Lauerwald von der Bürgerinitiative "Biblis abschalten". Bei dem Vorfall habe man auf den "letzten Notnagel" - den regelmäßig ausfallenden Notstromdiesel - zurückgreifen müssen, um den Eigenbedarf von Block B an Strom zu sichern.

Zusammen mit der atomkritischen Ärztevereinigung IPPNW stellte Lauerwald einen Antrag bei dem für die Atomaufsicht zuständigen Hessischen Umweltministerium vor, in dem eine Stilllegung von Biblis B verlangt wird. Die Ärztevereinigung droht damit, beim Hessischen Verwaltungsgerichtshof (VGH) Klage einzureichen, sollte das Ministerium dem Antrag nicht stattgeben.

Die IPPNW hat nach eigenen Angaben in einer über zweijährigen Recherche 49 grundlegende Sicherheitsmängel in dem Meiler festgestellt. Derartige Sicherheitsmängel seien nach der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichtes unzulässig, weil ein Atomkraftwerk stets dem aktuellen Stand von Wissenschaft und Technik entsprechen müsse, sagte die Anwältin der Organisation in dem Verfahren, Wiltrud Rülle-Hengesbach.

Laut der Ärztevereinigung weist das 30 Jahre alte Atomkraftwerk in Südhessen unter anderem gravierende Mängel im Notkühlsystem, beim Schutz vor Erdbeben, Flugzeugabstürzen und Terrorangriffen auf. Experimente hätten zudem ergeben, dass es in Biblis aufgrund der Anlagenkonstruktion zu Explosionen von angesammeltem Wasserstoff kommen könne.

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