Energieerzeugung

Keine Zukunft für Kernenergie / Erkundung von drei Endlagerstandorten

Kernenergie hat weltweit keine Zukunft - diese Meinung vertritt zumindest Umweltminister Jürgen Trittin in einem Beitrag für das "Handelsblatt". Auf dem Landesparteitag in Niedersachsen kündigte Trittin zudem an, drei Standorte als Atommüll-Endlager erkunden zu lassen, da Gorleben ein "Schwarzbau" sei.

Strom sparen© Gina Sanders / Fotolia.com

Melle/Berlin/Paris (red) - Umweltminister Jürgen Trittin hat am Wochenende nochmal betont, dass er für die Nutzung der Kernenergie keine Zukunft sieht. Gleichzeitig kündigte er beim Landesparteitag der niedersächsischen Grünen in Melle an, mindestens drei Standorte als Atommüll-Endlager erkunden zu lassen.

Zunächst sollten mindestens drei Standorte überirdisch und anschließend zwei davon auch unterirdisch untersucht werden, führte Trittin aus. Er kritisierte die Auswahl des Salzstocks in Gorleben aus "taktischen" Gründen, weil er damals an der innerdeutschen Grenze gelegen habe. Unter dem Aspekt des Atomrechtes sei Gorleben ein Schwarzbau und nichts anderes, wird Trittin zitiert.

In einem Beitrag für das "Handelsblatt" (Ausgabe vom Montag) bezweifelt Trittin, dass Atomenergie weltweit noch Zukunft hätte. Unter den 27 Reaktoren, die die Internationale Atomenergie-Organisation zum Beleg einer bevorstehenden globalen Atom-Renaissance anführe, seien fast die Hälfte schon 17 bis 29 Jahre im Bau. Übrig blieben lediglich acht Bauvorhaben in Indien, zwei in China, zwei in Taiwan, zwei in Japan und eines in Südkorea. Weltweit nutze nicht einmal jedes sechste Land Atomstrom.

Unterdessen wurde bekannt, dass der bei einer Protestaktion gegen den Castor-Atommülltransport in Frankreich überrollte Kernkraftgegner zum Unglückszeitpunkt nicht mehr an den Gleisen angekettet war. Wie der "Spiegel" berichtete, hatten sich die Jugendlichen beim Herannahen des schnell fahrenden Castorzuges aus ihren Ketten lösen können. Der 21-Jährige sei jedoch vom Luftwirbel des Zugs erfasst und auf das Gleis geschleudert worden.

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