Anschuldigungen

Keine Sicherheitsmängel in Neckarwestheim durch Filme nachweisbar

Die Sichtung von angeblichem Beweismaterial zu Sicherheitsmängeln im AKW Neckarwestheim hat nach Einschätzung des baden-württembergischen Umweltministeriums die Anschuldigungen nicht bewiesen. "Die Filmdokumente liefern keine konkreten Belege über mögliche Lücken in der Zugangssicherung", sagte ein Ministeriumssprecher.

Stromnetz Ausbau© Thomas Aumann / Fotolia.com

Stuttgart (ddp/red) - Die Sichtung des sechs Stunden umfassenden Materials, das teils von schlechter Qualität sei, sei "ernüchternd" ausgefallen. Der Kraftwerksbetreiber EnBW hält seine Strafanzeige gegen den Mann, der die Filmaufnahmen gemacht haben will, wegen des Verdachts der Nötigung aufrecht. Dem Energiekonzern zufolge hat er Geld gefordert.

Der ehemalige Mitarbeiter einer Fremdfirma war nach EnBW-Angaben in dem Atomkraftwerk überwiegend mit dem Einsammeln, Abfahren und Sortieren von Müll betraut. Er behauptet laut Ministerium, er arbeite mit dem Enthüllungsjournalisten Günter Wallraff zusammen. Auch dies habe sich bislang nicht bestätigt.

Gegenstände auf Kraftwerksgelände schmuggeln

Nach Ministeriumsangaben geben die Film- und Tonaufnahmen lediglich Hinweise darauf, "dass unerlaubt Gegenstände auf das Kraftwerksgelände geschmuggelt worden sein könnten". Ein Ausschnitt zeige, wie eine Waffe oder eine Attrappe aus einem Plastikbeutel gezogen werde. Unklar bleibe allerdings, ob die Szene wirklich auf dem Kraftwerksgelände aufgenommen wurde und wie der Plastikbeutel gegebenenfalls auf das Gelände geschmuggelt wurde.

In einer anderen Sequenz werden laut Umweltministerium drei messerähnliche Gegenstände in einem Lieferfahrzeug gezeigt. Die Filmsequenz scheine auf dem Kraftwerksgelände aufgenommen worden zu sein. Auch hier bleibe jedoch die Frage ungeklärt, wie die Messer auf das Gelände gekommen sein könnten. Das Material dokumentiere im Wesentlichen Fahrten auf dem Kraftwerksgelände und die dort üblichen Hilfstätigkeiten, hieß es weiter.

Zugangssicherung weiter verschärfen

Weiterhin nicht ausschließen will die Atomaufsichtsbehörde zwar, dass sich der Raum unter den Sitzen eines Kleintransporters als Versteck für das Einschmuggeln von Gegenständen eignen könnte. "Das Filmmaterial liefert dafür keine konkreten Beweise." Aber es sei "naheliegend", dass sich Wachpersonal und Mitarbeiter, die täglich mehrfach auf das Gelände fahren, kennenlernen können. Um zu vermeiden, dass Kontrollpflichten wegen einer persönlichen Annäherung vernachlässigt werden, sollen Mitte Juli eingeleitete Verschärfungen in der Zugangssicherung aufrechterhalten werden.

Der Hinweisgeber hatte angegeben, Waffenattrappen und Alkohol unter dem Fahrersitz eines Lieferwagens auf das Kraftwerksgelände geschmuggelt zu haben. Das Ministerium überprüfte nach Bekanntwerden der Behauptungen am 8. Juli die Sicherungen im Zugangsbereich der Kernkraftwerke Neckarwestheim und Philippsburg, fand aber "keinen Anlass zur Beanstandung".

Das könnte Sie auch interessieren
  • Stromtarife

    Gefahr eines Atomunfalls im Südwesten am größten

    Die vielen Atomkraftwerke in und um Baden-Württemberg bedeuten aus Sicht des Umweltministeriums nicht zwingend eine besonders hohe GAU-Gefahr. Eine entsprechende Studie des Max-Planck-Instituts sei "nicht sehr aussagekräftig", sagte ein Ministeriumssprecher am Freitag in Stuttgart der Nachrichtenagentur dapd.

  • Hochspannungsleitung

    EnBW bereitet Abriss ausgedienter Atommeiler vor

    Gut 14 Monate nach ihrer Stilllegung bereitet der Energiekonzern EnBW den Rückbau ausgedienter Atommeiler vor. "In Kürze" werde das Unternehmen damit beginnen, die Zellenkühltürme von Block I des Kernkraftwerks Neckarwestheim bei Heilbronn zu demontieren. Zudem gehen die Arbeiten in Philippsburg und Obrigheim weiter.

  • Energieversorung

    Keine Hinweise auf Sicherheitslücken in Neckarwestheim

    Das baden-württembergische Umweltministerium hat bei Untersuchungen im AKW Neckarwestheim bislang keine Sicherheitsmängel festgestellt. Nach Bekanntwerden derartiger Behauptungen seien die Sicherungen im Zugangsbereich des AKW überprüft worden, so das Ministerium. Dabei habe es "keinen Anlass zur Beanstandung gegeben".

  • Energieversorung

    Block 2 von AKW Philippsburg abgeschaltet

    Block 2 des Atomkraftwerks Philippsburg ist am Freitagnachmittag erneut vom Netz genommen worden. Als Grund nannte der Betreiber EnBW Untersuchungen im Bereich der Maschinentransformatoren.

  • Hochspannungsleitung

    EnBW informiert Atomaufsicht wegen Vorwürfen eines Ex-Mitarbeiters

    EnBW hat im Zusammenhang mit Behauptungen über Sicherheitslücken im Kernkraftwerk Neckarwestheim die Atomaufsicht eingeschaltet. Ein ehemaliger Mitarbeiter einer externen Firma behauptet, auf Sicherheitslücken gestoßen zu sein, legte jedoch keine Beweise vor. EnBW vermutet einen Erpressungsversuch.

Top