Wiederinbetriebnahme

Kavernenkraftwerk von 1913/1914 soll wieder Strom erzeugen

Das 1913/1914 errichtete unterirdische Wasserkraftwerk im Drei-Brüder-Schacht bei Freiberg soll wieder Strom erzeugen. Die in einer Tiefe von 272 Metern mit Grubenwässern betriebenen Turbinen könnten rund 1000 Haushalte mit "sauberem" Strom versorgen.

Stromtarife© Gina Sanders / Fotolia.com

Freiberg (ddp-lsc/sm) - "Erklärtes Ziel unseres Vereins ist die Wiederinbetriebnahme des Kavernenkraftwerkes", sagt der Vorsitzende des Fördervereins Drei-Brüder-Schacht.

Das Kraftwerk gilt als weltweit erstes seiner Art. Es entstand 1913/14 in einem nur dafür bergmännisch ausgebauten unterirdischen Hohlraum, einer sogenannten Kaverne. Seit der Stilllegung im Jahr 1972 haben nur wenige Menschen die Anlage besichtigt, denn der direkte Zugang über den Schacht ist nicht mehr möglich. Die Einfahrt mit Sondergenehmigung erfolgt in einer aufwendigen Aktion über die Freiberger "Reiche Zeche" und den Rothschönberger Stolln.

Das Kavernenkraftwerk sei "eine intelligente Lösung für den damals notwendigen wirtschaftlichen Strukturwandel" gewesen, sagt Schönfeld, der Physiklehrer ist. Neue Industrien hatten für ihre Antriebsmaschinen elektrischen Strom benötigt. Aus Interesse am Bergbau und vor allem am Erhalt von einzigartigen Zeugnissen sächsischer Industriegeschichte haben sich die rund 60 Mitstreiter im Förderverein zusammengefunden.

Die Wasserkraft sei die sinnvollste Energiequelle in der heutigen Zeit, sagte Schönfeld. Erster Schritt für die Wiederinbetriebnahme sei die Eröffnung eines Umweltzentrums, die heute stattfinde. Es informiere über die Nutzung des Wassers im Bergbaurevier Freiberg seit fast 500 Jahren.

Kosten in Millionenhöhe

Die Ertüchtigung des Kraftwerks kostet nach Schönfelds Schätzung einen einstelligen Millionenbetrag. Dafür müsste ein Energieversorger ins Boot geholt werden. Der Förderverein habe bereits die Übertageanlagen wie Schaltwarte, Fördermaschine und Hängebank wiederhergestellt, diese könnten besichtigt werden. Im neuen Umweltforum "WassErleben" wird die Nutzung der Wasserkraft im Freiberger Revier erläutert.

Der Leiter des Instituts für Wirtschafts- und Technikgeschichte an der Technischen Universität Bergakademie Freiberg, Helmuth Albrecht, gibt dem Vorhaben des Fördervereins durchaus Chancen. Den Schacht zu öffnen, kostet nach seiner Schätzung jedoch einen zweistelligen Millionenbetrag. Auch seien die historischen Turbinen nicht mehr nutzbar. Zudem stehe die Frage des Wasserpreises und der sicheren Wasserversorgung im Raum, denn auch die großen Betriebe der Halbleiterindustrie im Süden Freibergs nutzten das Reservoir.

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