Selbstzahler

Kassen: Viele IGeL-Angebote ohne Nutzen

Viele IGeL-Angebote, also individuelle Zusatzleistungen, die der Patient selbst bezahlen muss, sind nach Ansicht der Krankenkassen wenig nützlich. Wie sinnvoll sind Augenspiegelung und Eierstock-Ultraschall?

Zusatzversicherung© alvarez / iStockphoto.com

Leipzig (AFP/red) - Die meisten sogenannten individuellen Gesundheitsleistungen (IGeL), die Ärzte ihren Patienten gegen Bezahlung anbieten, haben nach Ansicht der Krankenkassen keinen belegbaren Nutzen. Die Mehrzahl der Selbstzahler-Angebote schneide schlecht ab, erklärte Peter Pick, Geschäftsführer des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen (MDS), drei Jahre nach dem Start der IGeL-Bewertungen im Internetportal www.igel-monitor.de.

37 Selbstzahler-Leistungen im Check

Seit 2012 haben die MDS-Experten insgesamt 37 Selbstzahler-Leistungen bewertet. Das Spektrum reicht von der professionellen Zahnreinigung über die Laserbehandlung von Krampfadern bis hin zur Stoßwellentherapie gegen Fersenschmerz. Das Gesamtergebnis ist laut MDS "ernüchternd". 16 der analysierten Untersuchungs- und Behandlungsmethoden wurden demnach als negativ oder tendenziell negativ bewertet. 13 IGeL-Angebote gelten als unklar und nur vier schnitten als tendenziell positiv ab. Keine einzige IGeL bekam bislang die Bewertung positiv.

Häufige Fehlalarme bei Ultraschall

Manche individuelle Gesundheitsleistungen können nach Ansicht der Kassen sogar schaden. Als Beispiel gilt unter anderem ein Ultraschall der Eierstöcke zur Krebsfrüherkennung. Studien hätten laut MDS gezeigt, dass Frauen durch "Fehlalarme" häufig unnötig beunruhigt und in einigen Fällen sogar eigentlich gesunde Eierstöcke entfernt würden.

Als ebenfalls tendenziell negativ wurde zuletzt die "Augenspiegelung mit Messung des Augeninnendrucks zur Früherkennung des grünen Stars" bewertet. Die sogenannte Glaukom-Kombi-Untersuchung soll dazu beitragen, den Grünen Star, der zum Erblinden führen kann, möglichst früh zu erkennen und zu therapieren. In den wissenschaftlichen Studien seien aber keine ausreichenden Hinweise dafür gefunden worden, dass mit dieser Untersuchung tatsächlich Sehbeeinträchtigungen verhindert werden könnten, erklärte MDS-Expertin Michaela Eikermann.

Versicherte sind verunsichert

Laut MDS haben bislang rund zwei Millionen Nutzer auf die Informationen des IGeL-Monitors zurückgegriffen. Die Auswertung von Nutzerkommentaren habe gezeigt, dass sich viele Versicherte bei den IGeL-Angeboten allein gelassen fühlten. Für die Bewertung von Nutzen und Schaden eines Selbstzahler-Angebots analysieren die MDS-Experten Studien und andere Informationen aus medizinischen Datenbanken.

Jeder Zweite bekommt IGeL-Angebote vom Arzt

IGeL-Angebote müssen von den Kassenpatienten selbst bezahlt werden. Laut einer Umfrage der Techniker Krankenkasse (TK) vom vergangenen Jahr hat schon jeder zweite Patient mindestens einmal ein solches Angebot von seinem Arzt bekommen. An erster Stelle stehen Gynäkologen, gefolgt von Zahnärzten und Augenärzten. Allerdings besorgen sich nur vier von zehn Patienten ausführlichere Informationen über die Angebote.

Versicherte sollten sich nicht drängen lassen

"Wir halten die Entwicklung auf dem boomenden IGeL-Markt für bedenklich", erklärte Pick. Patienten würden nicht ausreichende über Nutzen und Risiken informiert. Versicherte sollte sich daher in der Arztpraxis nicht dazu drängen lassen. Nach einer früheren Studie des wissenschaftlichen Instituts der AOK (Wido) wurden im Jahr 2012 in Deutschland rund 18,2 Millionen IGeL-Leistungen erbracht. Damit umfasste der Markt für solche Selbstzahler-Leistungen rund 1,3 Milliarden Euro.

Quelle: AFP

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