E-Plus-Übernahme

Kartellamt warnt vor steigenden Mobilfunkpreisen

Das Bundeskartellamt hat gegenüber der EU Bedenken hinsichtlich der E-Plus-Übernahme durch Telefonica o2 geäußert. Sollte es tatsächlich zum Zusammenschluss kommen, könnten die Mobilfunkpreise in Deutschland deutlich steigen

Zusammenschluss O2 e-plus© Telefónica Germany GmbH & Co. OHG / Montage: i12 GmbH

Bonn (afp/red) - Das Bundeskartellamt warnt vor steigenden Mobilfunkpreisen, sollten die beiden Anbieter o2 und E-Plus sich wie geplant zusammenschließen. Die Behörde habe ihre Bedenken in einem Brief an die EU-Kommission kenntlich gemacht, sagte ein Kartellamtssprecher am Freitag in Bonn und bestätigte damit einen Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Die Kommission will kommende Woche erläutern, ob oder unter welchen Bedingungen sie den Zusammenschluss genehmigt.

Preisteigerungen durch Wettbewerbsentschärfung

Der niederländische Mobilfunkkonzern KPN hatte Ende Juli vergangenen Jahres mitgeteilt, er wolle seine deutsche Tochter E-Plus an den spanischen Wettbewerber Telefonica mit der deutschen Marke o2 (www.o2-online.de) verkaufen. Die EU-Kommission hatte daraufhin Ende Februar ihre Bedenken vor steigenden Mobilfunkpreisen in Deutschland geäußert. o2 und E-Plus würden nach der Fusion mehr Kunden als die bisherige Nummer eins, die Deutsche Telekom, und als Vodafone haben. Experten erwarten, dass drei etwa gleich starke Wettbewerber weniger aggressiv im Wettbewerb auftreten als vier.

Erfahrungen aus Österreich

Auch das Verbraucherportal Verivox meldete bereits im April Bedenken zu der Fusion an und hatte sich auf das Beispiel in Österreich bezogen. Im Nachbarland Österreich ist nämlich genau das passiert. Dort wurde im vergangenen Jahr Orange von Hutchinson Drei Austria übernommen, die Billigmarke Yesss ging an A1 Telekom. Von vier verringerte sich die Zahl der Anbieter auf drei. Bereits im ersten Jahr "nach der Marktkonsolidierung kam es im Mobilfunk zu deutlichen Preissteigerungen", heißt es im Freitag veröffentlichten Jahresbericht der österreichischen Regulierungsbehörde für Telekommunikation. Vor allem Ende 2013 habe es "einen klaren Aufwärtstrend" gegeben.

EU-Auflagen wirkungslos

Die Auflagen aus Brüssel zeigten also kaum Wirkung. Die Kommission hatte sich laut "FAZ" darauf verlassen, dass Mobilfunkanbieter ohne eigenes Netz die großen drei in Schach halten. Darauf setze Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia auch in Deutschland, schrieb die Zeitung. Anbieter wie 1&1, Freenet oder Drillisch sollten den Wettbewerb in Gang halten.

Kartellamtspräsident Andreas Mundt fürchtet aber, dass die Anbieter ohne eigenes Netz, die von den Vorleistungen eines Netzbetreibers abhängig sind, "nur sehr begrenzt Wettbewerbsdruck ausüben" können, wie die "FAZ" aus dem Brief nach Brüssel zitierte. Mundt verweise ausdrücklich auf die Erfahrungen in Österreich, wo die Fusion "zu Lasten der Kunden" gegangen sei.

Quelle: AFP

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