Erschwerter Einstieg in Stadtwerke

Kartellamt verschärft Beteiligungsprüfungen im Energiemarkt

Um eine marktbeherrschende Stellung von einigen wenigen Energieunternehmen zu verhindern, will das Bundeskartellamt künftig die Beteiligungen von Energiekonzernen an Stadtwerken stärker prüfen. Den vertikalen Beteiligungen würden enge Grenzen gesetzt und sicherlich nicht ohne Ausgleichsmaßnahmen genehmigt, sage Kartellamtschef Böge gestern in Berlin.

Strom sparen© Gina Sanders / Fotolia.com

Die großen Energieversorger werden sich zukünftig auf verschäfte Prüfungen geplanter Beteiligungen an Stadtwerken durch das Bundeskartellamt einstellen müssen. Das kündigte Kartellamtschef Ulf Böge gestern in Berlin auf der Handelsblatt-Jahrestagung Energiewirtschaft an. Insbesondere vertikale Beteiligungen würden zu marktbeherrschenden Stellungen führen, weshalb sie laut Böge nur noch in "engen Grenzen und sicher nicht ohne Ausgleichsmaßnahmen genehmigungsfähig sein werden".

Durch den Konzentrationsprozess, der seit 1998 zu den drei größten Unternehmen E.ON, RWE und Vattenfall geführt hat, seien einige wenige Unternehmen mit einer großen Marktmacht entstanden. Durch die Beteiligung an Stadtwerken versuchten diese jetzt, auch Zugang zu den lukrativen Endkunden zu bekommen. Auf eine exakte Prozent-Grenze wollte sich Böge nicht festlegen - im Einzelfall könnte eine Beteiligung von fünf oder sechs Prozent schon zu viel sein, erläuterte der oberste Wettbewerbshüter. Obwohl eine Beteiligung von bis zu 20 Prozent bisher als wettbewerbsunbedenklich galt, würde durch eine zu laxe Kontrolle ein effektiver Wettbewerb verhindert.

Das könnte Sie auch interessieren
  • Index

    Stellenabbau bei RWE & Co.: Tausende Jobs fallen weg

    Den deutschen Energieversorgern RWE, Eon und EnBW geht es an den Kragen und damit auch seinen Angestellten. Bei allen drei Unternehmen stehen Sparmaßnahmen an, die unter anderem Stellenstreichungen und Gehaltskürzungen nach sich ziehen.

  • Atomenergie Gefahr

    Stresstest: Nicht genug Atom-Rückstellungen für den "Worst Case"

    Der Stresstest zu den Rückstellungen der Atomkonzerne sorgt für Unstimmigkeiten in der Politik. Während Sigmar Gabriel die Ergebnisse dahin gehend interpretiert, dass die Gelder der Konzerne ausreichen werden, warnt die Opposition davor, sich auf den Ergebnissen auszuruhen. Der Test zeigt auch, dass die Rückstellungen bei ungünstigen Umständen bei weitem nicht ausreichen würden.

  • Hochspannungsleitung

    Handelsblatt-Jahrestagung: Clement bezieht Stellung zur Energiepolitik

    Auf der Handelsblatt-Jahrestagung Energiewirtschaft hat Wirtschaftsminister Wolfgang Clement gestern erstmals in seiner Amtszeit ein umfangreiches Statement zur Energiepolitik abgegeben. Dabei sprach er sich gegen eine Regulierungsbehörde aus, erwartet aber im Gassektor eine rasche Einigung. Auch zu den Emissionsrechten und der Steinkohlesubventionierung äußerte er sich.

  • Hochspannungsleitung

    10. Handelsblatt-Jahrestagung Energiewirtschaft 2003: Wende in der Energiewirtschaft?

    Vom 14. bis 16. Januar trifft sich die Energiebranche zum zehnten Mal in Berlin zur Handelsblatt-Jahrestagung. Neben Wirtschaftsminister Wolfgang Clement werden auch die Vorstände der Energieriesen RWE und E.ON über ihre Erfahrungen referieren. Ein zusätzliches Thema sind die Rahmenbedingungen eines Gas-Wettbewerbsmarktes.

  • Stromnetz Ausbau

    Jahresabrechnungen von RWE: Zählerpreise trotz Kartellamtsverfahren konstant

    Im September wurde RWE vom Bundeskartellamt abgemahnt. Grund: Der Verdacht missbräuchlich erhöhter Mess- und Abrechnungspreise. Das Verfahren ist noch nicht abgeschlossen, weshalb RWE nach wie vor netto 36 Euro für einen Eintarifzähler berechnet. Derzeit flattern den Kunden die Jahrenendabrechnungen ins Haus - was also tun?

Top