Sicherheitsmängel?

Karlsruhe: Verdacht auf Plutonium-Diebstahl

Ein Mitarbeiter der stillgelegten Wiederaufbereitungsanlage soll radioaktives Material geklaut haben - Trittin: "Ich erwarte eine lückenlose Aufklärung!"

Strompreise© Andre Bonn / Fotolia.com

Wurde aus stillgelegten Wiederaufbereitungsanlage Karlsruhe (WAK) Plutonium gestohlen? - Zumindest besteht der Verdacht, dass ein 49-jähriger Mitarbeiter hochgiftiges Plutonium entwendet hat. Der Mann, bei dem außergewöhnlich hohe Strahlenwerte festgestellt worden waren, wurde verhaftet.

Laut SWR fand man ein auf einem ehemaligen Flugplatzgelände nahe Landau ein Röhrchen, das einen braunen Stoff enthielt und in zwei Handschuhe eingewickelt war. Der Fund soll auf einen Hinweis des Angestellten der Atomanlage zurückgehen. Die radioaktive Flüssigkeit sei teilweise ausgelaufen.

Hohe Strahlenwerte wurden nicht nur bei dem Mann selbst, sondern auch auf dem Beifahrersitz seines Autos festgestellt. Auch in der Wohnung wurden erhöhte Strahlenwerte gemessen - und auch bei Lebensgefährtin und Tochter.

Die genauen Hintergründe des Vorfalls sind noch unklar. Bundesumweltminister Jürgen Trittin forderte umgehend einen Bericht der baden-württembergischen Atomaufsicht an. "Wenn sich der Verdacht bewahrheitet, dass radioaktives Material aus einer deutschen Atomanlage entwendet wurde, dann sind eklatante Mängel im Sicherheitssystem dieser Anlage zu vermuten. Wo kommen wir hin, wenn nicht absolut ausgeschlossen ist, dass Angestellte einer Atomfabrik hochgefährliche radioaktive Stoffe abzweigen können und nicht nur sich, sondern auch andere in Gefahr bringen?", so Trittin.

Der Umweltminister weiter: "Ich erwarte von der baden-württembergischen Landesregierung eine lückenlose Aufklärung dieses schwerwiegenden Vorgangs. Wir wollen wissen, wie es dazu kommen konnte, wer dafür die Verantwortung trägt und welche Konsequenzen daraus gezogen werden". Das Umweltministerium behalte es sich vor, nach Vorliegen des Berichts die Reaktorsicherheitskommission (RSK) und die Strahlenschutzkommission (SSK) des Bundes mit der Begutachtung des Falles zu beauftragen.

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