Preissteigerungen

Kalte Progression: Die heimliche Steuererhöhung

Während offiziell die Teuerung in der EU-Zone sinkt und die Preissteigerungsrate so gering ausfällt wie seit 2010 nicht mehr, haben dennoch viele Bürger nicht mehr als früher in der Tasche, sondern weniger.

Finanzen© M. K.-U. Häßler / Fotolia.com

Während offiziell die Teuerung in der EU-Zone sinkt und die Preissteigerungsrate so gering ausfällt wie seit 2010 nicht mehr, haben dennoch viele Bürger nicht mehr als früher in der Tasche, sondern weniger. Schuld ist oft ein Effekt, der sich kalte Progression nennt.

Mehr auf dem Lohnzettel, aber weniger im Portemonnaie

Mehr Netto vom Brutto wird uns immer wieder versprochen, wenn die Politiker Steuersenkungen beschließen. Doch die versprochene Minderbelastung kommt nur in seltenen Fällen wirklich im eigenen Portemonnaie an, und wenn, meist mit verschwindend geringem Effekt: So haben Experten beispielsweise berechnet, dass die mit großem Wahlkampf-Tamtam von Umweltminister Altmaier herbeigewünschte Strompreisbremse für eine vierköpfige Familie gerade mal einen Euro Einsparung pro Monat bedeuten würde. Eine Entlastung, die ihren Namen verdienen würde, sieht ganz sicher anders aus. Andere Steuersenkungen finden zwar statt, werden jedoch durch gegenläufige Maßnahmen aus einer anderen Ecke wieder aufgefressen, so dass die Bürger unterm Strich genauso wenig im Geldbeutel haben wie zuvor - oder besser gesagt weniger, denn alle Maßnahmen, die auf gleicher Höhe oder unterhalb des Inflationsausgleichs liegen, bedeuten nichts anderes als ein sinkendes Realeinkommen.

Was die so genannte kalte Progression ausmacht

Wenn also beispielsweise die (offizielle) Inflationsrate bei zwei Prozent liegt und Ihr Arbeitgeber Ihr Gehalt um zwei Prozent aufbessert, haben Sie nicht das Gleiche in der Tasche wie vorher. Es sieht zwar so aus, doch das, was Sie in der Tasche haben, ist weniger wert, wenn die Einkommensteuertarife nicht an die Entwicklung der Kaufkraft angepasst werden. Denn durch das gestiegene Einkommen steigt auch die Steuerbelastung. Doch man zahlt nicht etwa zwei Prozent Steuern mehr, weil man zwei Prozent mehr Gehalt bekommt, vielmehr ist die zusätzliche Steuerbelastung deutlich größer. Dieser Effekt der kalten Progression umschreibt also eine versteckte Steuererhöhung, die der Staat in der Tasche hat, ohne sie explizit beschließen zu müssen.

Den Progressionseffekt umgehen - aber wie?

Wissenschaftler und Politiker streiten seit jeher (und nicht nur in Deutschland) darüber, wie mehr Steuergerechtigkeit zu erreichen wäre. Manche Experten fordern, die Höhe der Einkommensteuer in einem regelmäßigen und nicht zu langen Turnus an die Entwicklung der Kaufkraft anzupassen. Immer wieder wird auch eine Kopfsteuer ohne Freibeträge in die Diskussion eingebracht, die zwar das Problem der Progression lösen würde, vielfach aber als sozial ungerecht empfunden wird.

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