Umfrage

Jeder Zweite versteht seine Stromrechnung nicht

Laut dem neuen Energiewirtschaftsgesetz müssen Strom- und Gasrechnungen künftig einfach und verständlich sein. Eine Verbraucherumfrage zeigt allerdings, dass immer noch die Hälfte der Kunden die Rechnungen, die sie von ihrem Energieanbieter bekommt, nicht versteht. Höchste Zeit also für die Umsetzung der neuen Gesetze.

Hochspannungsmasten© Günter Menzl / Fotolia.com

Heidelberg (red) - Die Hälfte der Verbraucher hält ihre Stromrechnung für schwer verständlich, obwohl sich die 625 Befragten mehrheitlich eingehend mit ihrer Rechnung auseinandersetzen. Das ergab jetzt eine Umfrage des Verbraucher-Portals Verivox in Zusammenarbeit mit dem Bund der Energieverbraucher.

Stromanbieter versenden teils kryptische Rechnungen

Etwas mehr als die Hälfte der Befragten (51 Prozent) hält ihre Stromrechnung insgesamt für schwer verständlich. 41 Prozent der Teilnehmer halten es für möglich, dass ihre Rechnung fehlerhaft ist, weitere 21 Prozent trauen sich diese Einschätzung nicht zu, da sie die Rechnung nicht vollständig verstehen. Dabei fällt auf, dass die Befragten durchaus bereit sind, sich länger mit ihrer Stromrechnung auseinanderzusetzen. 68 Prozent der Teilnehmer gaben an, dass sie sich länger als 15 Minuten mit ihrer Stromabrechnung beschäftigen.

Kunden kennen den eigenen Stromverbrauch ganz genau

73 Prozent überprüfen, ob sich die von ihnen geleisteten Zahlungen auch auf der Rechnung wiederfinden. Weitere 21 Prozent der Befragten würden dies gerne tun, können die entsprechenden Angaben aber nicht auf ihrer Rechnung finden. Bei der Angabe des Verbrauchs zeigen sich die Befragten gut informiert. 83 Prozent gaben an, zu wissen, ob sich ihr Verbrauch im Vergleich zum vorherigen Abrechnungszeitraum erhöht oder verringert hat. 51 Prozent der Teilnehmer wissen außerdem, wie sich ihr Verbrauch zum Durchschnittsverbrauch eines vergleichbaren Haushaltes verhält

.

Nur wenige wissen, wie sich die Stromkosten zusammensetzen

Dass sich diese Information auf der Stromrechnung wiederfindet, halten 67 Prozent der Verbraucher für wichtig. 77 Prozent der Teilnehmer wissen, ob sich der Preis pro kWh im Abrechnungszeitraum erhöht hat. Nur 51 Prozent wissen jedoch, ob auch weitere Preisbestandteile wie Steuern und Abgaben im Abrechnungszeitraum gestiegen sind. 84 Prozent der Verbraucher wünschen sich eine Detailübersicht, die den Gesamtbetrag nach Grund- und Verbrauchspreis, Mess- und Netzdienstleistungen sowie Steuern und Abgaben trennt.

Was Verbrauchern bei der Stromrechnung wichtig wäre

89 Prozent der Befragten wünschen sich einen schnellen Überblick über den Energieverbrauch und den Gesamtpreis gleich auf der ersten Seite der Rechnung. 77 Prozent wünschen sich zusätzlich eine Auskunft über zukünftige Abschläge auf der ersten Rechnungsseite. Bei der Frage nach der Frequenz von Stromrechnungen war das Echo zweigeteilt. Eine Hälfte der Befragten (49 Prozent) hält es für wichtig, häufiger als einmal im Jahr eine Stromrechnung zu bekommen, die andere Hälfte ist mit Jahresabrechnungen zufrieden.

Grafische Darstellungen auf der Rechnung sind ab 2012 Pflicht

Mit der Novelle des EnWG wurden die Informationen, die auf Stromrechnungen angegeben werden müssen, genauer gefasst. Dazu gehören beispielsweise die Vertragsdauer, die Kündigungsfrist und die nächstmögliche Kündigungsmöglichkeit - diese Informationen müssen ab sofort auf der Stromrechnung vermerkt werden. Ab Februar 2012 sind die Stromanbieter darüber hinaus verpflichtet, grafisch darzustellen, wie sich der eigene Verbrauch zum Verbrauch vergleichbarer Kunden verhält.

Außerdem ist die Stromrechnung spätestens sechs Wochen nach dem Ende des Abrechnungszeitraums zu verschicken. Den Verbrauchern muss zudem angeboten werden, eine monatliche, vierteljährliche oder halbjährliche Abrechnung zu erstellen.

Das könnte Sie auch interessieren
  • Stromvergleich

    Strompreise steigen vielfach zum Jahreswechsel

    Die Strompreise steigen zum neuen Jahr bei vielen Versorgern. Dem Portal Verivox zufolge haben gut 250 Stromanbieter angekündigt, die Preise zu erhöhen. Niedrigere Preise sind dagegen nur bei wenigen Anbietern zu erwarten.

  • Stromvergleich

    Mehrwertsteuer beim Strom: Staat kassiert rund 6 Milliarden Euro

    Strom ist in den letzten Jahren immer teurer geworden. Das liegt aber nicht nur an den Stromanbietern. Einen großen Teil des Strompreises machen nämlich Steuern und Abgaben aus.

  • Stromnetz Ausbau

    Stromkunden auf dem Land zahlen mehr

    Ein Strompreisvergleich des Verbraucherportals Verivox hat ergeben, dass die Preise der örtlichen Stromanbieter auf dem Land rund fünf Prozent höher sind als in städtischen Gebieten. Die Preisunterschiede ergeben sich jedoch nicht aus unterschiedlich hohen Abgaben, schuld ist die Preispolitik der Versorger.

  • Strom sparen

    Stromanbieterwechsel: 3 Millionen Verbraucher haben gewechselt

    Im vergangenen Jahr haben drei Millionen Verbraucher Ihren Stromanbieter gewechselt, das sind etwa ein Drittel mehr als im Vorjahr. Wer sich noch nie für einen anderen Stromtarif entschieden hat, kann mit einem Wechsel zum günstigsten Angebot im Durchschnitt 229 Euro sparen. Ein Strompreisvergleich lohnt sich also sehr.

  • Hochspannungsmasten

    Netzagentur kritisiert überzogene Preiserhöhungen

    Die deutlichen Preiserhöhungen einiger Stromversorger zum Jahreswechsel stoßen bei der Bundesnetzagentur auf Kritik. Behördenchef Matthias Kurth rief die Verbraucher dazu auf, ihre Tarife zu überprüfen und gegebenenfalls den Stromanbieter zu wechseln. Einige Preisforderungen seien deutlich überzogen, so Kurth.

Top