Bericht

Japan will offenbar bis 2030 aus der Atomkraft aussteigen

Die japanische Regierung strebt nach einem Zeitungsbericht den Ausstieg aus der Atomenergie bis zum Jahr 2030 an. Ministerpräsident Yoshihiko Noda könnte diese Entscheidung bereits am kommenden Wochenende bei einem Treffen zur neuen Energiepolitik fällen, meldete am Dienstag die Zeitung "Mainichi Shimbun" unter Berufung auf Regierungskreise.

Atomenergie© lassedesignen / Fotolia.com

Tokio (AFP/red) - Mit einem Beschluss zum Ausstieg aus der Atomkraft würde Japan anderthalb Jahre nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima dem Beispiel Deutschlands folgen, wo die Bundesregierung bereits kurz nach dem Unglück die Abschaltung aller Atomkraftwerke bis zum Jahr 2022 beschlossen hatte.

Nach Fukushima war Widerstand gewachsen

In Japan hat sich seit der Katastrophe von Fukushima im März 2011 zunehmend Widerstand gegen die Atomkraft formiert. Nach dem durch ein Erdbeben und einen anschließenden Tsunami ausgelösten Atomdesaster waren alle weiteren Akw des Landes zu Sicherheitsüberprüfungen abgeschaltet worden. Derzeit sind nur zwei der 54 Reaktoren in Betrieb, weshalb Japan im großen Stil Kohlenwasserstoff für die Wärmekraftwerke importieren muss. Ein Ausstieg hätte dort größere Ausmaße als in Deutschland, da die Atomkraft vor 2011 in Japan 30 Prozent der Energie lieferte.

Andere Länder halten an der Atomkraft fest

Nach der Kernschmelze im Akw Fukushima, der folgenschwersten Atomkatastrophe seit dem Unglück von Tschernobyl 1986, war weltweit die Kritik an der Atomkraft gewachsen. Deutschlands EU-Nachbarn Großbritannien und Frankreich erklärten aber schnell, dass sie am Bau von Reaktoren der nächsten Generation festhalten. Die USA gaben für die erste Errichtung eines Akw seit 1978 grünes Licht. Indien und China bekräftigten ihre Pläne, in den kommenden Jahren dutzende Reaktoren zu bauen.

Quelle: AFP

Das könnte Sie auch interessieren
  • Auspuff

    Verbot für Diesel und Benziner: Welche Pläne gibt es?

    Das Ende für Diesel und Benziner: Erst jüngst wurde in Deutschland die Debatte neu entfacht, ob beide Fahrzeug-Typen bald nicht mehr zugelassen werden sollen. Wie sehen die Bestrebungen in anderen Ländern aus?

  • Vattenfall

    Vattenfall klagt in Washington gegen den Atomausstieg

    Der von der Bundesregierung beschlossene Atomausstieg ist für mehrere Energieunternehmen ein Grund vor Gericht zu ziehen. Die Klage, die der schwedische Energiekonzern Vattenfall eingereicht hat, wird in den USA verhandelt.

  • Strompreise

    Japan: Erstmals seit Fukushima wieder AKW in Betrieb

    Ungeachtet aller Proteste ist in Japan erstmals seit der Atomkatastrophe von Fukushima wieder ein Reaktor in Betrieb genommen worden. Seit Ende Mai hatte Japan für rund einen Monat überhaupt keinen Atomstrom produziert, weil alle Meiler wegen Sicherheitsprüfungen heruntergefahren wurden.

  • Hochspannungsleitung

    Leichte Radioaktivität aus Fukushima in Deutschland gemessen

    Nach der Reaktorkatastrophe im japanischen Fukushima im März 2011 sind Spuren von radioaktiven Partikeln in Baden-Württemberg festgestellt worden. Die Aktivität der sogenannten Radionuklide sei aber so gering gewesen, dass keine Erhöhung der Strahlenexposition zu verzeichnen gewesen war.

  • Stromtarife

    Gefahr eines Atomunfalls im Südwesten am größten

    Die vielen Atomkraftwerke in und um Baden-Württemberg bedeuten aus Sicht des Umweltministeriums nicht zwingend eine besonders hohe GAU-Gefahr. Eine entsprechende Studie des Max-Planck-Instituts sei "nicht sehr aussagekräftig", sagte ein Ministeriumssprecher am Freitag in Stuttgart der Nachrichtenagentur dapd.

Top