Neues Klima-Abkommen gefordert

Interview: BUND-Chef kritisiert Merkels Klimapolitik

Der Vorsitzende des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Hubert Weiger, ist unzufrieden mit der deutschen Klimapolitik. In einem ddp-Interview warf er Kanzlerin Merkel und Wirtschaftsminister Glos vor, zu oft dem "Lobbydruck der Industrie" nachzugeben. Er kritisierte zugleich die Vorstöße aus der Union für Korrekturen am Atomausstieg.

Stromtarife© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin (ddp/sm) - Nachdem die Bundesregierung 2007 beim G8-Gipfel von Heiligendamm, in ihrer EU-Ratspräsidentschaft und beim Weltklimagipfel auf Bali den Klimaschutz international voranbrachte, sorgt sie gegenwärtig "eher für Rückschritte", sagte Weiger im Interview.

Beispiele seien "die Aufweichung der europäischen Spritverbrauchsvorgaben für die Autoindustrie" durch Kanzlerin Merkel sowie die "Abschwächung von Schadstoffbegrenzungen beim Emissionshandel im Flugverkehr." Der BUND-Chef kritisierte: "Wenn es konkret wird, geben Merkel und ihr Wirtschaftsminister Glos viel zu oft dem Lobbydruck der Industrie nach."

Bei Klimaabkommen USA und China mit ins Boot holen

Laut dem BUND-Vorsitzenden müssten die Industriestaaten ihre Treibhausgasemissionen "schnell und drastisch" senken. Die Bundesregierung müsse die EU dazu bringen, bis 2020 die Treibhausgase im Vergleich zu 1990 um ein Drittel zu verringern. Dringend sei auch das Aushandeln eines Kyoto-Nachfolge-Abkommens zum globalen Klimaschutz, bei dem die USA und Schwellenländer wie China und Indien mitmachen.

Die Vorstöße vieler Unions-Politiker für Korrekturen am Atomausstieg nannte Weiger "unverantwortlich". Den wachsenden radioaktiven Abfallberg zu ignorieren, für den es nirgendwo ein Endlager gibt, sei das Gegenteil von Nachhaltigkeit. Zudem zeigten aktuelle Zwischenfälle wie in Südfrankreich oder im Atommülllager Asse, wie gefährlich diese Energieform ist.

Atomkraft bringt dem Klimaschutz nichts

Zu dem Argument der CDU, Kernkraft sei Öko-Energie, sagte Weiger: "Wenn Atomkraftwerke umweltfreundlich sind, dann sollte die Union konsequent sein und die Tschernobyl-Region und die radioaktiv verseuchten Flüsse in Südfrankreich jetzt zu Ökotourismuszielen erklären."

Weiger fügte hinzu: "Atomenergie nützt auch dem Klimaschutz nichts." Zum einen sei der Wirkungsgrad von Großkraftwerken sehr niedrig, zum anderen blockieren sie "wegen ihrer hohen Investitions- und Subventionskosten den Ausbau erneuerbarer Energien".

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