Warnung
Legaler Horror: Internet-Surfen für 30 Euro pro Stunde (Upd.)
30 Euro pro Surfstunde? Hierbei handelt es sich nicht um eine Erotik-Hotline, sondern um einen Internet-by-Call-Zugang, der zunächst legal scheint. Nutzer sollten vorsichtig sein und nicht über längere Zeit ungeprüft mit den gleichen Einwahlen ins Netz gehen.
Im laufenden Jahr hat die Comundo Internet GmbH über 200 Tarife verschiedener Anbieter übernommen. Das betraf beispielsweise das Schmalband-Zugangsgeschäft von Lycos im Mai. Mitte November wanderte dann das Gros der rund 200 Tarife zu Comundo; betroffen waren unter anderem Kunden der Anbieter 01038sparfon, Walla, Ecosmos oder Cybergate.
Dass nach einer gewissen Übergangszeit die alten Einwahlen zu deutlich schlechteren Konditionen abgerechnet werden, kommt immer wieder mal vor. Bei solchen Umstellungen werden nicht selten Kosten von 9,99 Cent pro Minute fällig, oft das Zehnfache dessen, was die Kunden vorher bezahlt hatten. So weit, so bekannt und so ärgerlich.
30 Euro pro Surfstunde
Doch was auf der Webseite www.666net.de derzeit zu lesen ist, sprengt den Rahmen des Vorstellbaren und ist zu allem Überfluss offenbar legal. Auf dieser zu Comundo gehörenden Webseite ist die Liste der im November übernommenen Tarife zu finden, zugleich wird über die Abrechnungskonditionen berichtet. Über den Link "Tarife" gelangt man zu folgender Seite:
Screenshot der Tarifseite von 666net.de vom 10.12.2007
Die Seite zeigt an, dass die Alttarife seit dem Nikolaustag pro Minute 49,99 Cent kosten, hinzu kommt eine Einwahlgebühr von 1,99 Euro. Das sind pro Stunde mehr als 30 Euro - so viel, wie man für eine Schmalband-Flatrate bei anderen Anbietern im gesamten Monat bezahlt. Und solche Tarife sind nach derzeitigem Kenntnisstand legal. Comundo weist auf seiner Webseite explizit darauf hin: "Gemäß gültiger Vorgaben der Bundesnetzagentur und der Abrechnungsverträge mit der Deutschen Telekom sind Internet-Service-Provider dazu berechtigt, bis zu 2,00 Euro/Min. und bis zu 10 Euro pro Einwahl abzurechnen. Hinzu kommt bei einigen Tarifen ein Mindestumsatz pro Einwahl oder Monat."
Einwahlen regelmäßig checken
Angesichts solcher Mondpreise warnen wir erneut ausdrücklich davor, über einen längeren Zeitraum mit den gleichen Einwahlkonditionen zu surfen, ohne diese ab und zu geprüft zu haben. Die Redaktion hat auch alle anderen zu Comundo und Paixas, dem im Hintergrund stehenden Eigentümer, gehörenden Tarife vorsorglich aus der Datenbank und dem Internet Tarifrechner entfernt.
Verbraucherschützer sehen Betrugsverdacht
Im Übrigen ist es durchaus möglich, dass Tarife wie diese den Tatbestand des Betrugs oder Wuchers erfolgen. Darauf haben inzwischen Verbraucherschützer hingewiesen. Obgleich die Bundesnetzagentur derzeit keine Möglichkeit hat, dagegen vorzugehen, sollten sich betroffene Kunden nicht davon abhalten lassen, gegen solche Praktiken vorzugehen - auch wenn das einen langen Atem bedeuten kann.
- Link zu den 30-Euro-Tarifen: Die Liste der betroffenen Tarife
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