Nach Inspektion

Internationale Atomenergiebehörde lobt Philippsburg

Das baden-württembergische AKW Philippsburg, das im letzten Jahr wegen einer Pannenserie in die Schlagzeilen geraten war, ist laut Internationaler Atomenergiebehörde (IAEA) eine "sichere Anlage". 15 Experten der Behörde mit Sitz in Wien hatten bei einer so genannten OSART-Mission die Betriebsführung überprüft.

Energieversorung© Gina Sanders / Fotolia.com

Karlsruhe (ddp/sm) - Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) hat dem wegen einer Pannenserie in die Schlagzeilen geratenen Atomkraftwerk Philippsburg ein gutes Zeugnis ausgestellt. Das baden-württembergische AKW sei eine "sichere Anlage", sagte der zuständige IAEA-Verantwortliche Miroslav Lipar am Donnerstag in Karlsruhe bei der Präsentation der Ergebnisse einer mehrwöchigen Inspektion.

Das Personal weise ein "hohes Maß an Professionalität" auf. Mit Blick auf den Zustand des Kernkraftwerks fügte er hinzu: "Gemessen an den internationalen Standards ist Philippsburg eine sehr gute Anlage." 15 Experten der Behörde mit Sitz in Wien hatten im Oktober 2004 bei einer so genannten OSART-Mission die Betriebsführung des AKW überprüft. Dabei wurden unter anderem Management, Betrieb, Instandhaltung, Strahlenschutz, Notfallplanung, Betriebserfahrung und Sicherheitskultur unter die Lupe genommen.

Die Expertenkommission gab insgesamt 16 Verbesserungsvorschläge ab. Dazu gehörten Optimierungen bei Schulungen, Simulationstraining, Arbeitsschutz, Instandhaltung sowie die Aufforderung an das AKW zu einem verstärkten internationalen Erfahrungsaustausch. Bemängelt wurde etwa, dass "nicht alle Arbeiter immer konsequent Schutzhelme tragen" oder Fremdpersonal stärker überwacht werden müsse. Es seien keine akuten Mängel, sondern lediglich "Schwächen" festgestellt worden, die "nicht sofort" behoben werden müssten, sagte Lipar.

Der Chef der OSART-Missionen betonte, deutsche Kernkraftwerke seien international jahrelang "etwas isoliert" gewesen. Er verwies darauf, dass die letzte OSART-Mission in Deutschland 1991 stattgefunden habe. Die jetzige Inspektion im AKW Philippsburg, die auf Wunsch des Kraftwerksbetreibers EnBW erfolgt war, sei ein gutes Zeichen. In 18 Monaten würden die Inspekteure der Atomenergiebehörde erneut in Philippsburg sein und im Jahr 2007 im AKW Neckarwestheim.

Nach den Worten des Atomexperten ist die Kernenergie weltweit "im Aufschwung". In China und Südkorea würden derzeit Anlagen gebaut. In den USA gebe es eine Diskussion über den Bau neuer Atomkraftwerke. In Deutschland sei es nach dem Beschluss zum Ausstieg aus der Atomenergie "nicht einfach, die Moral der Mitarbeiter der Kraftwerke hochzuhalten". In Philippsburg sei dies aber gut gelungen.

In dem Kraftwerk war es im Sommer 2001 zu einer Pannenserie im Block 2 gekommen. Das Personal hatte wiederholt gegen Betriebsvorschriften verstoßen. In den Flutbehältern des Notkühlsystems war die Borsäurekonzentration zu gering. Zudem enthielten die Behälter über Jahre hinweg beim Wiederanfahren des Reaktors nach einer Revision zu wenig Flüssigkeit. Mit den Vorgängen hatte sich ein Untersuchungsausschuss im Landtag beschäftigt. Im April 2004 war bei der Abschaltung des Blocks 1 im AKW Philippsburg leicht radioaktiv belastetes Wasser in den Rhein gelangt.

Kraftwerksleiter Hans-Josef Zimmer sagte, man habe "an Reputation verloren". Die jetzige Bewertung durch die IAEA zeige aber, "dass wir in der Lage sind, eine Anlage gut und sicher zu führen". EnBW-Technik-Vorstand Thomas Hartkopf sagte, die IAEA habe dem Kraftwerk "ein sehr gutes Urteil" ausgestellt, auf das man "stolz sein" könne. Lipar betonte, die IAEA-Experten hätten im AKW Philippsburg in neun Bereichen so gute Leistungen gefunden, wie man sie bei all den zahlreichen Inspektionen in anderen Ländern "noch nie" festgestellt habe. Auch die Liste von 16 Verbesserungsvorschlägen sei relativ kurz. "Normalerweise machen wir mehr", sagte Lipar.

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