Smart Metering

Intelligente Zähler: Deutsche Versorger hinken hinterher

Eine aktuelle Studie der Unternehmensberatung PwC hat ergeben, dass die deutschen Energieversorger noch nicht umfassend auf "Smart Metering" vorbereitet sind. Grund: Die meisten der befragten Unternehmen sehen momentan nur geringe wirtschaftliche Vorteile durch die neue Technologie.

Hochspannungsleitung© Gina Sanders / Fotolia.com

Frankfurt/Main (red) - Knapp zwei Jahre vor der gesetzlich vorgeschriebenen Einführung intelligenter Strom- und Gaszähler und lastabhängiger Tarife ("Smart Metering") haben sich die meisten Energieversorger noch nicht ausreichend mit dem Thema auseinander gesetzt. Die große Mehrheit der 67 befragten Unternehmen sieht momentan auch nur geringe wirtschaftliche Vorteile durch die neue Technologie. Die Anzahl der Risiken ist vielen Energieversorgern zu hoch, ihnen fehlen konkrete gesetzliche Vorgaben und technische Standards. Zu diesen Ergebnissen kommt die Studie "Smart Metering - Umsetzungsstand und strategische Implikationen für die Energiewirtschaft" der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC), die auf dem diesjährigen ICG-Stadtwerke-Kongress (25.-26. November 2008, Düsseldorf) vorgestellt wird.

So ist nur knapp jeder zehnte Befragte davon überzeugt, dass intelligente Zähler erweiterte Absatzchancen durch neue Dienstleistungsangebote und Tarifmodelle eröffnen. 43 Prozent der Versorger glauben ausdrücklich nicht an ein zusätzliches Umsatzpotenzial. Auch bei Netzqualität und Kapazitätsmanagement wird es nach Ansicht der meisten Befragten kaum Fortschritte geben. Nur vier von 67 Versorgern halten eine Optimierung der Energiebeschaffung für wahrscheinlich. Zwei von drei Befragten sehen in erster Linie Industrie und Gewerbe als Zielkunden, ein Drittel der Unternehmen identifiziert allerdings auch in privaten Haushalten Bedarf für "Smart Metering". Neue Produkte und Tarifmodelle sind bislang jedoch nur bei wenigen Versorgern in der Planung.

"Die Skepsis der Energieversorger gegenüber intelligenten Mess-Systemen muss vor dem Hintergrund der weitgehend unklaren regulatorischen und technischen Standards gesehen werden. Mittel- bis langfristig bietet die neue Technik jedoch die Möglichkeit, sich gegenüber Wettbewerbern abzugrenzen. Versorger, die jetzt die Vorreiterrolle übernehmen, haben beste Chancen bei der Positionierung im Markt und der Erschließung neuer Umsatzpotenziale", kommentiert Ralf Kurtz, Partner bei PwC im Bereich Energy Consulting.

Ab sofort hat jeder Energiekunde das Recht, seinen Dienstleister für den Einbau von Zählern und die Verbrauchsmessung zu wählen und kann von seinem Energielieferanten eine monatliche Abrechnung fordern. Die Netzbetreiber müssen ab dem 1. Januar 2010 bei Neubauten und Renovierungen intelligente Verbrauchszähler installieren. Bis Ende 2010 müssen die Energieversorger auch last- und zeitvariable Tarife anbieten. Der Gesetzgeber erhofft sich durch zunehmende Transparenz und Fortschritte beim Klimaschutz sowie der CO2-Reduzierung wesentliche Energieeinsparungen. Während 51 Prozent der von PwC befragten Versorger dem Thema "Smart Metering" noch abwartend gegenüber stehen, haben 35 Prozent ein Pilotprojekt in Planung oder bereits begonnen. Zu letzteren gehören in erster Linie die größeren Unternehmen. Versorger ohne Pilotprojekt nennen vor allem fehlende Standards und die unklare Gesetzeslage als Gründe für ihre Zurückhaltung.

Weiterführende Links
  • Die komplette Studie zum Smart Metering hier zum Download
Das könnte Sie auch interessieren
  • Stromkosten

    Höhere Netzkosten verteuern den Strom

    Die Netznutzungsentgelte werden in vielen Städten steigen. Das wird sich auf den Stromrechnungen für das kommende Jahr niederschlagen. Allerdings sind die Strompreise an der Börse gefallen, wodurch Preissenkungen von Seiten der Stromversorger möglich sind.

  • Strom sparen

    Elektronische Zähler mit Haus-IP-Anschluss verbinden

    Power Plus Communications aus Mannheim, ein Anbieter von Breitband-Powerline-Kommunikationssystemen (BPL), hat sein neues Multi-Utility-Gateway vorgestellt. Das Gateway ermöglicht die Anbindung verschiedenster elektronischer Basis-Zähler in einem Gebäude an den Haus-IP-Anschluss.

  • Energieversorung

    Intelligente Stromzähler haben großes Sparpotenzial

    Durch digitale Stromzähler lässt sich der Energieverbrauch erheblich reduzieren. Das haben erste Praxistests ergeben. Verbraucher können mithilfe der digitalen Stromzähler Energiefresser identifizieren und sie durch sparsamere Geräte ersetzen.

  • Energieversorung

    Bundesrat billigt Messzugangsverordnung mit Übergangsfrist

    Die Messzugangsverordnung (MessZV) wird kommen: Der Bundesrat hat am Freitag einer entsprechenden Vorlage aus dem Bundeskabinett zugestimmt. Von Seiten alternativer Anbieter ist nicht nur Erleichterung, sondern auch Kritik zu hören.

  • Hochspannungsleitung

    Bund findet gemeinsame Position beim Emissionshandel

    Ab 2013 soll der Handel mit Emissionszertifikaten vollständig freigegeben werden. Sonderregelungen soll es allerdings für besonders energieintensive Branchen geben. Umweltminister Gabriel berichtete auch über den Etat seines Ministeriums, der wegen dem Zertifikatehandel ein deutliches Plus ausweist.

Top