Praxistests

Intelligente Stromzähler haben großes Sparpotenzial

Durch digitale Stromzähler lässt sich der Energieverbrauch erheblich reduzieren. Das haben erste Praxistests ergeben. Verbraucher können mithilfe der digitalen Stromzähler Energiefresser identifizieren und sie durch sparsamere Geräte ersetzen.

Energieversorung© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin (red) - Die intelligenten Zähler ermöglichen es auch, Geräte nur dann einzuschalten, wenn Strom besonders günstig ist, zum Beispiel nachts, so Martin Jetter vom IT-Branchenverband Bitkom. In Testhaushalten sei der Stromverbrauch dadurch um mindestens fünf Prozent gesunken, bei einigen sogar um 40 Prozent, sagte Jetter. Ermöglicht wird diese Ersparnis durch moderne Zähler, die jederzeit ein genaues Bild des Stromverbrauchs geben. Die Verbrauchskurve steigt zum Beispiel steil nach oben, wenn der alte Tiefkühlschrank anspringt oder der Heizstrahler wärmt.

In den meisten der 42 Millionen deutschen Haushalte ermittelt allerdings noch eine aus dem 19. Jahrhundert stammende Messtechnik den Stromverbrauch. Einmal im Jahr erscheint der Ableser und prüft den Zählerstand. Mit der anschließenden Rechnung kommt häufig auch die Überraschung: eine Nachzahlung. Mit moderner Messtechnik hingegen können die Energieversorger den tatsächlichen Stromverbrauch ablesen und genaue monatliche Rechnungen erstellen.

Doch damit ist das Potenzial der modernen Messtechnik noch lange nicht ausgeschöpft. Weil diese als Smartmeter bezeichneten Geräte ohnehin über das Internet angeschlossen sind, ermöglichen sie auch weitere Funktionen. Beispielsweise können die digitalen Zähler erkennen, wann Strom günstig ist. Geben sie diese Information an das computergesteuerte Heimnetz weiter, startet der Computer die ebenfalls angeschlossene intelligente Waschmaschine erst in Nebenzeiten, wenn der Strom billiger ist. Mithilfe von IT können Verbrauchsspitzen wirksam geglättet und damit die bestehenden Kraftwerke effizienter genutzt werden.

Derzeit rüstet der Energieriese RWE in der Stadt Mülheim an der Ruhr alle 100.000 Haushalte mit neuen Zählern aus, E.ON startete jüngst einen Test in Bayern mit 10.000 Haushalten und Gewerbebetrieben, bei Vattenfall zählt bei jeweils 500 Pilotkunden in Berlin und Hamburg moderne Technik den Stromverbrauch. Noch einen kleinen Schritt weiter ist EnBW. Nach einer einjährigen Pilotphase mit 1.000 Testhaushalten will der Energieversorger in seinem Heimatmarkt Baden-Württemberg intelligente Stromzähler für alle Kunden zugänglich machen. EnBW-Tochter Yello will den digitalen Zähler ab Herbst bundesweit anbieten. Ab 2010 wird der Einbau intelligenter Stromzähler in Neubauten und bei Vollsanierungen zur Pflicht.

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