Braune Brühe

Innovation aus Rostock: Strom und Wärme aus altem Fett

Eine Miniraffinerie in der Nähe von Rostock wandelt altes Fett aus einem Schlachthof in einen von Schmutz, Säuren und Mineralien fast vollständig befreiten Extrakt um. Der entstehende Kraftstoff ist für die Produktion von Strom und Wärme in Blockheizkraftwerken gedacht. Nach zwei Jahren Entwicklung wird die Technologie jetzt vermarktet.

Energieversorung© Gina Sanders / Fotolia.com

Nicht sehr appetitlich sieht die braune Flüssigkeit aus, die aus einem Tankwagen auf dem Betriebsgelände der Firma GMK Gesellschaft für Motoren und Kraftanlagen mbH in Bargeshagen vor den Toren Rostocks gepumpt wird. Es stinkt zum Himmel, was dort von einem großen Schlachthof heran transportiert wurde. Schließlich handelt es sich um altes Fett, das durch lange Lagerung ziemlich verdorben ist und eigentlich nur noch entsorgt werden kann.

Als etwas später eine zwar immer noch bräunliche Brühe aus der kleinen Raffinerie abgefüllt wird, ist von üblen Gerüchen nichts mehr spürbar und überhaupt sieht die Flüssigkeit jetzt auch angenehmer aus als vorher. In der LIPOCAL genannten Miniraffinerie ist in einem turmähnlichen Gebilde, verschiedenen Behältern, Pumpen und Rohrleitungen ein von Schmutz, Säuren und Mineralien fast vollständig befreiter Extrakt geworden. Nicht ohne Stolz erklärt Diplom Chemiker Rene Niesner, einer der Väter des Verfahrens, wie das Altfett die LIPOCAL-Anlage durchläuft , um derart gründlich gereinigt und aufbereitet zu werden. In der ersten Verarbeitungsstufe wird das Fett neutralisiert, denn es ist durch lange Lagerung stark säurehaltig geworden. In zwei aufeinander folgenden Wäschestufen werden anschließend Mineralien und sogenannte Katalysatorgifte entfernt, die wesentlichen Schadstoffe, die einem Dieselmotor nach kürzester Zeit den Garaus bereiten würden. Es entsteht ein Kraftstoff, der in schweröltauglichen Motoren verbrannt werden kann.

Biodiesel aus Pflanzenöl oder anderen Fetten zu produzieren, ist nicht neu. In vielen Biodieselraffinerien wird seit geraumer Zeit biogener Kraftstoff für Fahrzeuge produziert, der nach geringfügigen Modifikationen an den Motoren problemlos eingesetzt werden kann. Das neue Verfahren arbeitet erheblich kostengünstiger, es erzeugt jedoch keinen Fahrzeugkraftstoff. Vielmehr ist der entstehende Kraftstoff für die Produktion von Strom und Wärme in Blockheizkraftwerken gedacht, wobei der Strom gemäß Erneuerbare Energien Gesetz für bis zu zehn Cent pro Kilowattstunde vermarktet werden kann. "Wir haben die zweijährige Entwicklung des LIPOCAL-Verfahrens abgeschlossen und beginnen jetzt mit der Vermarktung", kündigte GMK- Geschäftsführer Hartmut Kiehne an.

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