Ausstiegsdebatte

Industrie will Gewinne aus Atomstrom abschöpfen

Die Industrie will massiv von einer möglichen Verlängerung der Laufzeiten für Atomkraftwerke profitieren und hat dazu auch verschiedene Vorschläge unterbreitet. Die hessische Umweltministerin will das abzuschöpfende Geld in erneuerbare Energien stecken.

Energieversorung© Gina Sanders / Fotolia.com

Hannover/Frankfurt/M. (ddp/red) - Die Energiekonzerne müssten den in den Meilern produzierten Strom zu Sonderkonditionen an einen Fonds verkaufen, heißt es in einem Forderungskatalog des Branchenverbandes VIK, wie die "Hannoversche Allgemeine Zeitung" (Samstagsausgabe) berichtet. Die eine Hälfte des Stroms solle der Fonds dann zu einem "wettbewerbsfähigen Preis" an Großverbraucher wie Chemiekonzerne, Stahlwerke oder Zementhersteller verkaufen, die andere Hälfte könne im Handel vermarktet werden - die Erlöse bekäme der Staat.

Nach Einschätzung des VIK, der größten Interessenvertretung industrieller Energiekunden, wird eine Laufzeitverlängerung für die 17 Meiler "per se nicht zu niedrigeren Strompreisen" führen. Stattdessen könnten sich die Betreiber über zusätzliche Erträge zwischen 66 und 84 Milliarden Euro freuen. "Daher ist es sinnvoll und sachgerecht, die Zusatzgewinne zu einem wesentlichen Teil abzuschöpfen", heißt es in dem Papier. Dies gelte umso mehr, "als die Kernkraftwerke zu Monopolzeiten risikolos für die heutigen Betreiber investiert und bereits abgeschrieben werden konnten".

Die hessische Umweltministerin Silke Lautenschläger (CDU) verteidigte unterdessen ihren Vorschlag zur Abschöpfung von Gewinnen der Atomindustrie bei verlängerten Laufzeiten von Atomkraftwerken (AKW) gegen Kritik ihres Amtskollegen im Bund, Norbert Röttgen (CDU). "Wir haben immer gesagt, dass wir dieses Geld in Erforschung erneuerbarer Energien und besserer Netze stecken wollen", sagte Lautenschläger der "Frankfurter Rundschau" (Montagsausgabe) laut Vorabbericht. "Wenn diese Milliarden fließen, können wir aber noch wesentlich mehr zur Entwicklung von Speichertechnologien tun, damit erneuerbare Energie immer dann zur Verfügung steht, wenn sie tatsächlich gebraucht wird."

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