Schwarzer Peter

Industrie kritisiert stark gestiegene Strom- und Gaspreise

Mit einem Maßnahmenbündel will der Verband der Industriellen Energie- und Kraftwirtschaft (VIK) die Energiepreise in Deutschland senken. Er forderte die Bundesregierung auf, die Bedingungen des Emissionshandels und das EEG zu überarbeiten und kassierte dafür Kritik von allen Seiten.

Strom sparen© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin (ddp/sm) - Die Industrie hat die stark gestiegenen Strom- und Gaspreise scharf kritisiert. Industrielle und gewerbliche Kunden hätten in diesem Jahr bis zu 20 Prozent mehr bezahlen müssen, sagte der Vorsitzende des Verbandes der Industriellen Energie- und Kraftwirtschaft (VIK), Volker Schwich, am Mittwoch in Berlin. Eine Besserung zeichne sich auch für 2006 nicht ab.

Der Verband machte dafür vor allem den mangelhaften Wettbewerb sowie den Emissionshandel verantwortlich. Er kritisierte insbesondere die Monopolstellung der vier großen Konzerne E.ON, RWE, Vattenfall und EnBW. Der Emissionshandel alleine habe den Produktpreis für Strom im Jahr 2005 um eine zweistellige Rate verteuert, kritisierte der VIK. Die neue Bundesregierung müsse in diesem Punkt sofort handeln und die Regeln des Emissionshandels anpassen.

Hierzu schlug der VIK mehrere Maßnahmen vor. So solle die Einpreisung der Kohlendioxid-Zertifikatpreise in den Strompreis gestoppt werden. Zudem forderte der Verband eine Novellierung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes. Die Härtefallregelung für energiekostensensible Unternehmen sollte erweitert und die Beihilfen sollten gedeckelt werden. Langfristig müsse es einen möglichst breiten Energiemix geben, zu dem auch die Kernenergie gehöre. Außerdem müsse der grenzüberschreitende Energiehandel gelockert werden.

Der Verband der Elektrizitätswirtschaft (VDEW) und der Bundesverbandes der deutschen Gas- und Wasserwirtschaft (BGW) wiesen die Kritik zurück. Die Strompreise lägen im europäischen Mittelfeld. "Die Konzerne wollen der Stromwirtschaft nur den schwarzen Peter zuschieben", sagte VDEW-Hauptgeschäftsführer Eberhard Meller. Die Erdgaspreise für Industriekunden seien im europäischen Vergleich vor Steuern nach den finnischen die zweitbilligsten in Europa, erklärte der BGW.

Die Bundesverbände Erneuerbare Energien (BEE) und Windenergie sowie das Aktionsbündnis Erneuerbare Energien, dem Verbraucherverbände, Gewerkschaften und Wirtschaftsverbände angehören, lehnten eine Änderung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes strikt ab. "Nur die erneuerbaren Energien können auf Dauer eine günstige Versorgung mit Strom, Wärme und Kraftstoff in Deutschland sichern", sagte der Präsident des Bundesverbandes Windenergie, Peter Ahmels.

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