Betreiber sieht keine Gefahr

In der Asse liegt Sprengstoff neben Atommüll

Im einsturzgefährdeten Atommülllager Asse bei Wolfenbüttel wird auch Sprengstoff aufbewahrt. Der Sprecher des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS), Werner Nording, bestätigte am Freitag den Sachverhalt und sagte, es handele sich dabei um kleinere Mengen an Altbeständen.

Hochspannungsmasten© Günter Menzl / Fotolia.com

Remlingen (ddp/red) - Nach ddp-Informationen befindet sich das Material in einer Sprengstoffkammer auf der 750-Meter-Sohle in unmittelbarer Nähe einer Einlagerungskammer für Atommüll. In dieser Kammer liegen nach einer Aufstellung des früheren Asse-Betreibers, dem Forschungszentrums für Umwelt und Gesundheit (GSF), etwa 36.000 Fässer mit radioaktivem Abfall.

Betreiber sieht keine Gefahr für Betrieb und Abfallfässer

Die Sprengstoffpatronen seien so gelagert, "dass selbstverständlich keine Gefahr für den Betrieb des Lagers und für die Abfälle ausgeht." Genaue Angaben über die Menge und die Art der eingelagerten Sprengmittel machte Nording nicht.

Aus dem "Hauptbetriebsplan Asse 2007 - 2009" des GSF geht hervor, um welche Sprengmittel es sich handelt. Der Plan nennt die Substanzen Eurodyn 2000, Dynacord, Supercord 40 T sowie Supercord 100 T. In dem Anfang 2007 erstellten Bericht heißt es weiter: "Sprengarbeiten werden zurzeit nur im Rahmen von Durchbau- und Bergbauarbeiten durchgeführt. Die Kontur der Grubenräume wird schonend gesprengt."

Im Sommer des vergangenen Jahres ergaben Mitarbeiterbefragungen, dass sich vor der Sprengstoffkammer Kalilauge ansammelte. Ein Gutachten des Ingenieursbüros Brenk Systemplanung vom Oktober 2008 erwähnt mehrfach "Laugenstellen" beziehungsweise einen "Sumpf" bei der Sprengstoffkammer. Nach Angaben von BfS-Sprecher Nording ist diese Flüssigkeit jedoch nicht radioaktiv belastet, es handele sich dabei um alte Laugen aus dem Kali-Abbau.

Sprengstoff soll entsorgt werden

Der Fraktionsvorsitzende der Grünen im niedersächsischen Landtag, Stefan Wenzel, zeigte sich überrascht über die Angaben. Er habe zwar gehört, dass es in der Vergangenheit eine solche Sprengstoffkammer gegeben habe, sagte Wenzel. Er frage sich aber, "wozu brauchen sie in der Asse immer noch Sprengstoff". Nording kündigte unterdessen an, seine Behörde werde den Sprengstoff zügig entsorgen.

Das BfS ist seit Beginn 2009 Betreiber der Asse und prüft gegenwärtig Varianten für eine sichere Schließung des Bergwerks. Nach Krebsfällen von ehemaligen Beschäftigten ermittelt die Braunschweiger Staatsanwaltschaft gegen den früheren Asse-Betreiber wegen des Verdachts der gefährlichen Körperverletzung. Zudem befasst sich ein Untersuchungsausschuss des niedersächsischen Landtags mit den Pannen und Versäumnissen in dem Atommülllager.

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