Neue Kraftwerke nötig

IHK Nord warnt vor Energieengpass in Norddeutschland

In Norddeutschland droht nach Angaben der IHK Nord spätestens ab 2020 ein Energieengpass, da die Abschaltung von 35 Kraftwerken geplant sei. Bundeskanzlerin Merkel spricht sich derweil dafür aus, in der Bevölkerung um Akzeptanz für den Bau moderner Kraftwerke und Leitungsnetze zu werben.

Strompreise© Andre Bonn / Fotolia.com

Neubrandenburg (ddp/sm) - Ohne den forcierten Bau neuer Kraftwerke und die zügige Errichtung von Offshore-Windparks in Nord- und Ostsee könnte die geplante Abschaltung von 35 Kraftwerken in Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Schleswig-Holstein nicht kompensiert werden, warnte der Präsident der IHK Nord, Manfred Ruprecht, am Dienstag auf einem Energieforum in Neubrandenburg.

Merkel wirbt um mehr Akzeptanz für Kraftwerksbau

Kanzlerin Merkel sagte auf der Veranstaltung, die Industrienation Deutschland dürfe nicht zum reinen Stromimporteur werden. "Wir können nicht aus allen Energieträgern aussteigen, die nicht überall in der Öffentlichkeit auf Akzeptanz stoßen", fügte sie hinzu. Deutschland habe das Know-how, die Erfahrungen und die effektiven Technologien für eine zuverlässige Eigenversorgung mit Strom. Ohne neue Kraftwerke und Energietrassen werde es künftig keinen Wohlstand geben. Zugleich sprach sich Merkel für verstärkte Anstrengungen zur Energieeinsparung, die Förderung von Forschungsprojekten auf dem Gebiet der Stromspeicherung sowie den zügigen Bau der Ostseepipeline von Russland nach Deutschland aus.

IHK Nord: Kapazitätslücke zügig schließen

Nach einer gemeinsamen Erhebung der 14 norddeutschen IHK werden in den nächsten elf Jahren 91 Prozent der gegenwärtig in Norddeutschland bestehenden Kraftwerkskapazitäten von insgesamt 17.000 Megawatt vom Netz gehen. Dem Verlust stünden 20 geplante Neubauten konventioneller Kraftwerke mit einer Kapazität von 19.000 Megawatt gegenüber. Drei dieser Neubauten seien jedoch schon in der Planungsphase gescheitert, nur fünf Kraftwerksprojekte hätten derzeit gute Chancen zur Realisierung. Um die Lücke zu schließen, müssten neue fossile Kraftwerke zügig genehmigt, im Bedarfsfall Laufzeiten von Kernkraftwerken verlängert und der Bau von 60 geplanten Offshore-Windanlagen beschleunigt werden, sagte Ruprecht.

Sellering: Nicht auf überholte Technologien setzen

Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) warb dafür, die Chancen neuer Energieträger zu erkennen, statt auf überholte und ineffiziente Technologien zu setzen. Die nächste industrielle Revolution finde im Bereich der Energietechnologie statt, sagte er. Der Nordosten sei mit einem Energiemix für die Zukunft gut aufgestellt. Dazu gehörten das geplante moderne Gaskraftwerk in Lubmin, die verstärkte Nutzung von Windkraft, Biomasse und Geothermie sowie neue Forschungsansätze auf dem Gebiet der Wasserstofftechnologie und der Kernfusion. Sellering bekräftigte seine Auffassung, dass die politische Diskussion um das umstrittene Steinkohlekraftwerk des dänischen Konzerns Dong Energy in Lubmin "lange beendet" sei und nun die zuständigen Genehmigungsbehörden zu entscheiden hätten.

An dem Forum nahmen etwa 600 Vertreter aus Wirtschaft und Politik teil. Die in der IHK Nord vereinten 14 norddeutschen Industrie- und Handelkammern vertreten die Interessen von rund 650.000 Unternehmen.

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