Realistische Energiepolitik nötig

IG-BCE-Chef Schmoldt: Ökoträumerei schadet der Umwelt

Der Vorsitzende der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie, Hubertus Schmoldt, hat auf dem Kongress "Zukunft der Kohle" eine realistischere Energiepolitik gefordert. Die "emotional unterlegte Ökoträumerei", die auch auf einen Ausstieg aus der Kohle setzt, führe in die Irre und sei im Ergebnis ein Schaden für die Umwelt.

Hochspannungsmasten© Günter Menzl / Fotolia.com

"Die deutsche Kohletechnologie, sowohl die Förderung wie die Nutzung in Kraftwerken, kann einen unschätzbaren Beitrag zur weltweiten Nachhaltigkeit leisten. Nachhaltige Energiepolitik setzt die Nutzung von Kohletechnologie geradezu voraus," sagte der IG-BCE-Vorsitzende Hubertus Schmoldt kürzlich beim Kongress "Zukunft der Kohle" in Berlin. Schmoldt wandte sich gegen die Beschränkung der Nachhaltigkeit allein auf ökologische Aspekte. Die soziale und wirtschaftliche Dimension seien gleichrangig zu behandeln.

Zero Emission Kraftwerk

"Nachhaltigkeit der Energie- und damit auch der Kohlepolitik kennt, ja duldet keine nationalen Grenzen", hob Schmoldt hervor. Eine kleinräumige, auf Deutschland reduzierte Betrachtung des Kohlethemas sei daher völlig ungeeignet. "Es steht unbestreitbar fest: Die Deutsche Kohletechnologie repräsentiert weltweiten Spitzenstandard." Deutschland könne einen weiteren Fortschritt auf diesem Gebiet erreichen. Der dürfe jedoch nicht auf Forschung beschränkt bleiben, sondern müsse zum Bau von Referenzkraftwerken führen. "Die praktische Anwendung solcher Technologie hätte einen doppelten Vorteil: die Emissionen hier bei uns würden weiter reduziert und die Technologie wäre verkaufbar." Als nächster Schritt müsse der Bau eines hocheffizienten Steinkohlekraftwerkes folgen und die Entwicklung in Richtung des sogenannten "Zero Emission Kraftwerkes" vorangetrieben werden. Schmoldt nannte die milliardenschweren Forschungsprogramme in den USA als Vorbild und sprach sich für ein Steinkohlekraftwerks-Erneuerungsprogramm in Deutschland aus.

Absicherung der Steinkohleförderung

Ohne eine gesicherte heimische Braun- und Steinkohleförderung hätten es der Anlagenbau und auch die Bergbautechnologie deutlich schwerer, "wenn sie nicht sogar chancenlos wären," betonte der IG-BCE-Vorsitzende, deshalb spreche neben der Versorgungssicherheit auch dieser Aspekt für den Energiemix mit hohem heimischen Anteil an Energieträgern. "Ich erwarte deshalb von der Politik, dass nach den Beschlüssen des EU-Energieministerrates nun im kommenden Jahr die Voraussetzungen für die Absicherung der deutschen Steinkohleförderung geschaffen werden." Nachteile für die deutsche Kohletechnologie befürchtet Schmoldt durch die geplante Richtlinie der EU-Kommission zum Emissionshandel. Sie erzeuge "das genaue Gegenteil von Rechtssicherheit. Wenn wir globalen Klimaschutz unter ökonomisch sinnvollen und sozial akzeptablen Bedingungen wollen, dann muss es unser Ziel sein, die jetzt vorliegende Richtlinie so zu verändern, dass sie mit den Kioto-Verpflichtungen in Einklang zu bringen ist."

Windenergie teurer

"Es war immer ein beliebtes Argument der Kohlegegner, öffentliche Hilfen für den Steinkohlenbergbau auf den einzelnen Arbeitsplatz umzurechnen. Wir haben dies stets abgelehnt, weil schließlich nicht die Beschäftigten diese Hilfen erhalten, sondern energiepolitische Effekte erreicht werden sollen. Da diese Argumentation aber trotzdem nicht auszurotten ist, hat Bundeswirtschaftsminister Müller kürzlich eine ähnliche Rechnung für die Windenergie erstellen lassen. Diese zeigt, dass für einen Arbeitsplatz in der Windenergie erheblich mehr aufgewendet wird, als für einen Arbeitsplatz in der deutschen Steinkohle - nämlich das Dreifache", bewertete Schmoldt die derzeitige Förderung regenerativer Energien. Als "noch überzeugendere" Rechnung führte Schmoldt an, dass für eine Kilowattstunde aus einem neuen Windkraftwerk gemäß Gesetz für erneuerbare Energien rund 9,1 Euro-Cent aufzubringen sind. Dem stünden 4 Euro-Cent geschätzte Stromerzeugungskosten aus einem sogenannten Zero-Emission-Kraftwerk gegenüber, das ohne jegliche Kohlendioxid-Emissionen auskommt.

Emotional unterlegene Ökoträumerei

Hubertus Schmoldt: "Wir würden viel Positives bewirken, wenn wir die vorhanden Entwicklungspotentiale konsequent nutzen. Dazu bedarf es einer entsprechenden Energiepolitik und es braucht endlich eine andere, realistische, ja positive Grundstimmung. Die emotional unterlegte Ökoträumerei, die ihren politischen Ausdruck in den vielfältigen Dekarbonisierungsstrategien findet, führt in die Irre, ja sie ist im Ergebnis ein Schaden für die Umwelt."

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