Meinung

IfED betrachtet Emissionshandel "mit gemischten Gefühlen".

Das Heidelberger Institut für Energiedienstleistungen (IfED) betrachtet die Entscheidung des Europäischen Parlaments zum Emissionszertifikatehandel zwiespältig - deutschen Unternehmen fehle die langfristige Planungssicherheit, so IfED-Leiter Rüdiger Winkler. Die Umsetzung der Richtlinie stelle eine Herausfporderung dar.

Energieversorung© Gina Sanders / Fotolia.com

Das Heidelberger Institut für Energiedienstleistungen (IfED) betrachtet die Entscheidung des Europäischen Parlaments zum Emissionszertifikatehandel "mit gemischten Gefühlen". "Wir begrüßen die Möglichkeit, dass Deutschland 1990 als Basisjahr für die Emissionsrechte wählen kann. Allerdings vermissen wir die langfristige Planungssicherheit für deutsche Unternehmen", sagte IfED-Leiter Rüdiger Winkler heute.

Die Anerkennung der "early actions" und damit der seither erbrachten Leistungen sowie die Einbeziehung weiterer Treibhausgase sei für die Bundesrepublik "als Vorreiter des Klimaschutzes in Europa" ein wichtiger Teilerfolg in der Diskussion um die künftige Richtlinie. Nach Meinung des Instituts ist dieses Verhandlungsergebnis aber kein Anlass zur Euphorie, da das so genannte Opt-Out lediglich bis 2007 gilt und ab 2008 eine Beteiligung am Handel mit Emissionszertifikaten erfolgen muss. Unter Opt-Out verstehen die Experten die Möglichkeit, dass nationale Klimaschutzprogramme, die gleichwirksam sind, den Emissionshandel ersetzen. "Im Sinne verlässlicher Rahmenbedingungen für die deutsche Industrie wäre eine Weiterführung dieser Möglichkeit auch in der zweiten Verpflichtungsperiode bis 2012 sinnvoll gewesen", ist Winkler überzeugt. Die Wirksamkeit freiwilliger Maßnahmen wird nach Auffassung des IfED durch den seit 1990 in Deutschland um 19 Prozent verringerten Kohlendioxid Ausstoß belegt.

Eine Herausforderung stelle sicherlich die Umsetzung der Richtlinie dar. Sowohl die Zuteilung als auch das künftige Monitoring würden einen erheblichen Verwaltungsaufwand mit sich bringen. Die Option, Emissions-Berechtigungen ohne Zwang national zu poolen, beurteilt das IfED in diesem Zusammenhang positiv. "Mit der gemeinsamen Verwaltung besteht die Möglichkeit, an die bestehenden Selbstverpflichtungserklärungen anzuknüpfen. Ergänzend wäre es sinnvoll, die Kosteneffizienz des Klimaschutzes durch Stärkung zusätzlicher Instrumente wie z.B. Joint Implementation zu steigern", regte der Heidelberger Energieexperte abschließend an.

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  • Das Institut für Energiedienstleistungen im Internet:
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