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Hubert Weinzierl: Ein Umweltschutzpionier wird 70

Seit mittlerweile fünf Jahrzehnten engagiert sich Hubert Weinzierl für den Umweltschutz und gilt als einer der Pioniere der Ökologiebewegung und als "Bayerns grünes Gewissen". Am Samstag feiert der langjährige Vorsitzende des Bundes Naturschutz in Bayern (BN) seinen 70. Geburtstag.

Stromnetz Ausbau© Thomas Aumann / Fotolia.com

Wiesenfelden (ddp-bay/sm) - Von Ruhestand will er nichts wissen. "Naturschutz ist kein Beruf", sagt Hubert Weinzierl, "sondern eine Denkweise, die sich nicht in Pension schicken lässt". Seit mittlerweile fünf Jahrzehnten engagiert er sich für den Umweltschutz und gilt als einer der Pioniere der Ökologiebewegung und als "Bayerns grünes Gewissen". Am Samstag feiert der langjährige Vorsitzende des Bundes Naturschutz in Bayern (BN) und des Bundes für Umwelt- und Naturschutz in Deutschland (BUND) seinen 70. Geburtstag.

Die Gründung von Deutschlands erstem Nationalpark im Bayerischen Wald sieht Weinzierl als einen seiner größten Erfolge. Die Idee dazu sei ihm in den 60er Jahren in Tansania gekommen, auf Safaris mit dem Fernseh-Zoologen Bernhard Grzimek. Inzwischen wurde in jedem Bundesland mindestens ein Naturschutzreservat geschaffen. Für Weinzierl sind die unproduktiven Oasen "Schatzkammern der Heimat": "Die Nachwelt wird uns nicht nach der Dichte des Straßennetzes fragen, sondern nach dem Netzwerk des Lebens", prophezeit der studierte Forstwirt.

Obwohl selbst Sohn des ehemaligen CSU-Bundestagsabgeordneten Paul Weinzierl mied er stets die Nähe zu Parteien. "Ohne Bürgerengagement funktioniert kein Staatswesen. Die Parteien dürfen kein Monopol für Zukunftspolitik bekommen", sagt er. Dass erstmals in Deutschland eine ehemalige Umweltministern zur Bundeskanzlerin gewählt wurde, sieht Weinzierl zunächst positiv. "Ich hoffe schon, dass Angela Merkel sich noch an den Naturschutz erinnert. Aber ich habe Angst vor ihrer Liebe zur Gentechnik und zu Atomkraftwerken."

Weinzierl gesteht ein, dass sich die düsteren Prophezeiungen der Ökobewegung der 80er Jahre nicht bewahrheiteten. Für den aus einer wohlhabenden Ingolstädter Unternehmerfamilie stammenden Weinzierl nicht zuletzt ein Erfolg der Umweltverbände und der Fortschritte im technischen Umweltschutz. "Allerdings wird dies nicht ausreichen, um zum Beispiel die Klimaveränderung zu stoppen. Hier müssen unsere Bemühungen verdoppelt werden."

Als Weinzierl 1969 erstmals an die Spitze des Bund Naturschutz (BN) gewählt wurde, fristete der Naturschutz in Deutschland noch ein Schattendasein, das Wirtschaftswunder überstrahlte alles, auch dass man begonnen hatte, die eigenen Lebensgrundlagen abzugraben. Weinzierl gelang es, die Kehrseite der Konsumwelt aufzuzeigen. Von 1983 bis 1998 stand er zugleich an der Spitze des Bundes für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND), seit 2000 ist er Präsident des Deutschen Naturschutzrings (DNR), Mitglied im Rat für Nachhaltige Entwicklung der Bundesregierung und seit März diesen Jahres Vorsitzender des Kuratoriums der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU).

Sein "Erweckungserlebnis" war der Widerstand gegen die atomare Wiederaufbereitungsanlage im oberpfälzischen Wackersdorf. In einer Festschrift schrieb er: "Am Bauzaun wurden alle christlichen Hochfeste gefeiert - Weihnachten, Aschermittwoch, Ostern, Fronleichnam, Pfingsten und Silvester." Und auch sein 50. Geburtstag mit der "vermutlich bestbewachten Geburtstagstorte der Geschichte".

Mit seiner Frau, der katholischen Theologin Beate Seitz-Weinzierl, lebt Weinzierl in einem Forsthaus neben Schloss Wiesenfelden in Niederbayern, das er 1981 erwarb und darin ein Facharchiv für Umweltpolitik sowie ein kleines Ökologiemuseum einrichtete. Das zum Schloss gehörende Gut und die ausgedehnten Fischzuchtanlagen werden selbstverständlich biologisch bewirtschaftet.

Von ddp-Korrespondent Herbert Mackert

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