Pilotanlage in Betrieb

HSE und FH Darmstadt erforschen Einsatz von Brennstoffzellen

In der Heppenheimer Betriebsstelle der HEAG Südhessischen Energie AG (HSE) wird seit einigen Tagen eine erdgasbetriebene Brennstoffzelle auf den Einsatz im Haushalt unter realistischen Bedingungen getestet. Das fast 300.000 Euro teure Projekt erstreckt sich über drei Jahre und wird von der Fachhochschule Darmstadt wissenschaftlich begleitet.

Hochspannungsleitung© Gina Sanders / Fotolia.com

Heppenheim (red) - Sie ist kaum größer als eine herkömmliche Heizungsanlage - ihr Innenleben jedoch ist Hightech pur. Die Rede ist von der erdgasbetriebenen Brennstoffzelle der Firma Sulzer Hexis, die am Freitag vergangener Woche in der Heppenheimer Betriebsstelle der HEAG Südhessischen Energie AG (HSE) der Öffentlichkeit vorgestellt wurde.

Die Brennstoffzelle in Heppenheim dient als Pilotanlage der weiteren Erforschung dieser umweltfreundlichen und zukunftsfähigen Technologie. Unter realistischen Bedingungen soll hier der Einsatz der Brennstoffzelle im Haushalt getestet werden. Rund 290.000 Euro kostet das auf drei Jahre angelegte Projekt; 136.000 Euro steuert das Hessische Ministerium für Wirtschaft, Verkehr und Landesentwicklung bei, den Rest trägt die HSE. Wissenschaftlich begleitet wird das Projekt vom Fachbereich Elektrotechnik und Informationstechnik der Fachhochschule Darmstadt und dem HSE-Tochterunternehmen NaturPur Energie AG.

Brennstoffzellen wandeln die in chemischer Form gebundene Energie eines Brennstoffs direkt in Strom und Wärme um. Als Brennstoff sind verschiedene Gase möglich, unter anderem Erdgas. Beim Pilotprojekt der HSE kommt eine spezielle Hochtemperatur-Brennstoffzelle der Schweizer Firma Sulzer Hexis zum Einsatz, die für den Wärmebedarf und den Stromgrundbedarf eines Ein- und Zweifamilienhauses konzipiert wurde. Der gewonnene Strom deckt den Grundbedarf des Hauses. Der überschüssige Strom wird in das Netz der HSE eingespeist, die Wärme wird direkt im Haushalt genutzt.

"Bei der Suche nach alternativen Antriebssystemen für Kraftfahrzeuge und nach besonders umweltschonenden Kraftwerken gewinnt die Brennstoffzellentechnik immer mehr an Bedeutung", sagte Wirtschaftsstaatssekretär Bernd Abeln. Deshalb fördere das Land Hessen Maßnahmen wie das Demonstrationsvorhaben Brennstoffzellen-Blockheizkraftwerk der HEAG Südhessische Energie AG. Mit der Inbetriebnahme des Kraftwerks sei eine Form der Energieversorgung realisiert worden, die deutlich geringere CO2-Emmissionen habe als herkömmliche Energieversorgungstechniken, so Abeln.

"Wir haben ein großes Interesse an dieser Zukunftstechnologie und verfolgen die Entwicklung sehr genau", erläuterte Dr. Ulrich Wawrzik, Vorstand der HSE, das Engagement seines Unternehmens. "Denn diese Technologie hat auch Auswirkungen auf den Betrieb von Stromnetzen. Diese Auswirkungen möchten wir mit dem Pilotprojekt erforschen lassen", so Wawrzik weiter. Damit denkt man bei dem südhessischen Energiedienstleister weiter in die Zukunft - Hunderte dieser Brennstoffzellen könnten schließlich über eine intelligente Steuerungstechnik zu einem virtuellen Kraftwerk verbunden werden.

Insgesamt zwei Brennstoffzellen werden von der HSE als Pilot- und Demonstrationsanlagen getestet. Die zweite Anlage wird im Herbst dieses Jahres in einem Mehrfamilienhaus in Darmstadt errichtet. Wissenschaftlich betreut werden beide Projekte von Professor Schmidt-Walter, Fachhochschule Darmstadt, der seit vielen Jahren im Bereich Brennstoffzelle forscht.

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